Hanomag RL 20 - Vorstellung

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Hanomag RL 20 - Vorstellung

Beitragvon Bauernschlepper » 01.05.2016, 16:43

Hallo liebe Treckergemeinde,

mein Name ist David, bin 26 Jahre alt und wohne in einem schönen Dörfchen in der nähe von Eisenach/Thür. Vor einiger Zeit habe ich von meinem lieben Opa einen schicken Hanomag RL 20 Bauernschlepper geerbt. Er wurde von ihm rege in der privaten Landwirtschaft genutzt, ich selbst kenne ihn noch als braven Helfer bei der Kartoffelernte. Am Ende wurde er dann aber doch noch von effizienteren Maschine ersetzt und so setzte der RL 20 erstmal einige Jahre Staub in der Scheune an. Schon als mein Opa noch lebte hab ich ihn gefragt, ob ich den Hanomag nicht zu mir holen kann um ihn dann langsam wieder herzurichten. Natürlich war ich sehr glücklich, als er zustimmte, denn so ein RL 20 ist schon ein ganz besonderes Schätzchen und wenn daran auch noch persönliche Erinnerungen hängen umso mehr.

Das Baujahr ist noch nicht 100%ig geklärt, aber ich bin mir zu 90% sicher, dass es sich um das erste Baujahr, also 1937 handeln muss. Die Schleppernummer ist nämlich eine sehr frühe (393194, bei 393000 gings los) und die vorderen Felgen haben als Herstellungsmonat 10/37 eingeprägt. Dann vergleicht man natürlich auch die Schleppernummern und Baujahre anderer RL 20. Nach dem Motor kann ich leider nicht gehen. Zwar ist ein originaler D19-Motor verbaut, allerdings laut Gussdatum aus dem Jahr 1941, was aber definitiv nicht zu der frühen Schleppernummer passt, also muss dieser irgendwann mal getauscht worden sein.

Bis jetzt hab ich mich noch nicht so richtig getraut ihn auseinander zu nehmen, denn dann kann man ja nicht mehr damit rumfahren. Als wir diesen Frühling aber das Kühlwasser wieder auffüllten stellten mein Vater und ich jedoch fest, dass das Wasser irgendwo landet, wo es nicht landen soll. Und siehe da, das Wasser landete in der Ölwanne :o . Um keinen Motorschaden zu riskieren kann ich den Motor jetzt also sowieso nicht mehr starten und so hab ich jetzt angefangen, das gute Stück nach und nach in seine Einzelteile zu zerlegen und hoffe, dass er bald wieder in vollem Glanz erstrahlt.

Bei so einem alten Fahrzeug handelt es sich natürlich um ein sehr ambitioniertes Projekt. Der Zahn der Zeit hat schon gründlich am Blech genagt und es gibt eben auch so ein paar Problemchen, für die man erstmal eine Lösung finden muss:
- die Hinterachse ist leider nicht original, da das differential wohl immer wieder Probleme machte. Stattdessen ist die Achse eines Robur LO ("Ello") verbaut, wobei ich natürlich gerne wieder auf eine originale umrüsten würde
- das Thermostat für das Kühlwasser hat sich entweder in Wohlgefallen aufgelöst oder wurde irgendwann, warum auch immer, ausgebaut
- zwischen den Blechen der Motorhaube und Kühlermaske ist ein Spalt von gut 3cm (siehe Bilder), die Bleche sind also entweder irgendwie "geschrumpft" oder der Kühler wurde irgendwie mal ein stück nach vorn verlegt
- die aktuell verbaute Lichtmaschine ist zu groß, sodass das Seitenteil nicht montiert werden kann

Das ist sicherlich noch nicht alles, aber früher oder später wird sich schon für alles eine Lösung finden. Falls ihr mir bei dem einen oder anderen Problem behilflich sein könntet wäre ich dafür sehr dankbar. Falls ihr wisst, wo ich mir vielleicht mal einen restaurierten RL 20 anschauen könnte (Schleppertreffen, Privat, usw.) würde das auch schon sehr helfen.

So, das soll jetzt erstmal reichen, ist ja doch ganz schön viel Text geworden. Ich bin über jede Hilfe dankbar.

Grüße aus Thüringen

Euer Bauernschlepper :wink:

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Re: Hanomag RL 20 - Vorstellung

Beitragvon GTfan » 01.05.2016, 20:07

moin moin,

einen sehr schönen und beeindruckend original erhaltenen RL20 hast du da! Sogar die originalen Vorkriegs-Scheinwerfer, Hupe und der Luftfilter sind noch da, pass gut auf sie auf!

Teile für den Motor sind schwer zu finden, dass Wasser in der Ölwanne landet klingt nicht gut. Wenn er jedoch ohne Wasser den Winter über gestanden hat, dürfte es immerhin kein Frostschaden sein.
Dass die Hinterachse getauscht wurde ist häufiger mal vorgekommen. Mit etwas Glück könntest du aus einem Teileträger oder so etwas kriegen.

Bitte verschone vor neuer Farbe.

mfG
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Re: Hanomag RL 20 - Vorstellung

Beitragvon Bauernschlepper » 02.05.2016, 18:45

Vielen Dank!

Die Scheinwerfer will ich auch unbedingt erhalten, vor allem das rote Kontrollfenster für Fern- und Abblendlicht hab ich bis jetzt noch nirgends gesehen. Für den Motor hab ich zum Glück noch einige Ersatzteile, u.a. auch noch zwei Motorblöcke, einen Zylinderkopf, Krümmer sowie Kolben mit Pleuel. Zylinderbuchsen hab ich eigentlich auch, ich kann sie aber leider nicht mehr finden :x . Wollte eigentlich, wenn ich den Motor aufarbeiten lasse, alle vielleicht noch brauchbaren Teile mit hingeben, blöd wenn man die dann nicht wiederfindet.
Mit der Farbe ist das sone Sache. Wenn alle Blechteile noch in guter Verfassung wären, hätte ich vielleicht einfach die Patina konserviert. Aber leider ist das Blech an einigen Stellen bereits durchgerostet, sodass ich jetzt alle Teile Aufarbeiten und neu lackieren lassen werde. Aber ich gebe die völlig recht, ein Oldie in schöner Patina ist auch was wunderbares.
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Re: Hanomag RL 20 - Vorstellung

Beitragvon jaki » 02.05.2016, 20:12

Hallo,

Wirklich schöner RL20! Auch wenn er nicht mehr 100% original ist ist das ein wunderschönes Stück! Das ist eben die Geschichte die er hintersich hat, der wurde ja nicht nur zum in die Kirche fahren am Sonntag genutzt... :roll:

Bitte belass ihn so wie er ist was die Optik betrifft! So viele RL20 gibt es nicht mehr, die wurden alle in den Jahren des Beginns der Oldtimer-Traktor Szene lackiert...
Man kann ganz geschickt solche Stellen wo nachgeschweißt oder ganze Stücke ersetzt werden vertuschen und gezielt patinieren! Das sieht man dann überhaupt nicht!

Mach was schönes draus und berichte uns,

Gruß Jakob
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Bauernschlepper
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Re: Hanomag RL 20 - Vorstellung

Beitragvon Bauernschlepper » 04.05.2016, 19:56

Mann, da krieg ich ja richtig Gewissensbisse, wenn ich ihn doch neu lackiere, will ja schließlich niemanden enttäuschen :D. Ich persönlich finde beides nicht verkehrt, vorausgesetzt die Farbgebung passt auch wirklich zum Fahrzeug, am besten natürlich in original Farbton. Ich finde Grau steht ihm sehr gut, am liebsten wäre mir wenn ich herausfinden könnte in welchem Grauton die Vorkriegsmodelle lackiert wurden. Vielleicht kennt ja jemand eine vergleichbare RAL-Nr.?
Aber bis das Blech dran ist, ist sowieso noch ne Weile hin. Jetzt muss ich ihn erstmal auseinander nehmen, den Motor wieder fit machen lassen und Rahmen und Fahrwerk wieder auf Vordermann bringen.
In einer Sache habt ihr mich aber zum Umdenken bewegt: Ich war voll versessen darauf den RL 20 so original wie möglich wieder herzustellen. Bei unserem geht der Rahmen der Windschutzscheibe z.B. fast bis runter zu den Trittbrettern und ist ziemlich breit. Bei den meisten anderen im Netzt ist dieser jedoch viel schmaler und hört deutlich weiter oben auf. Anstatt hier die Optik anzugleichen bin ich jetzt der Meinung, dass er eben genau so original ist, wie er jetzt aussieht. Und auch mit der Hinterachse bin ich jetzt viel entspannter, falls sich was günstiges ergibt, OK, falls nicht, bleibt die jetzige eben drin.
Aber eins verspreche ich euch: Es ist ein schmucker Trecker (OK, im moment löst er sich erstmal in seine Einzelteile auf :lol: ) und es wird auch ein schicker Trecker bleiben.
G-Peter
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Re: Hanomag RL 20 - Vorstellung

Beitragvon G-Peter » 04.05.2016, 23:58

Bauernschlepper hat geschrieben:Mann, da krieg ich ja richtig Gewissensbisse, wenn ich ihn doch neu lackiere, will ja schließlich niemanden enttäuschen :D.


Tröste dich, mich haben sie auch weichgekocht und heute bin ich froh drum, meinen Eicher so gelassen zu haben, wie er ist. Fang mal sutsche an und die Zeit wird dir schon den "richtigen" Weg zeigen.

Gruß Peter
Eicher G22 Kombi
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Re: Hanomag RL 20 - Vorstellung

Beitragvon Bauernschlepper » 06.05.2016, 19:06

Hab da mal ne Frage zur Lichtmaschine: Laut ET-Liste ist beim Bauernschlepper eine Bosch RJC 90/12 verbaut, für den Zugwagen (SS20) ist eine RJC 130/12 - 1400 eingetragen. Kann ich diese Problemlos einbauen? Technisch sollte das denke ich kein Problem sein, aber wie sieht das bei der Größe aus? Die aktuell verbaute Lima ist zu groß, sodass das Seitenteil nicht mehr dran passt. Hab zwar auch ne RJC 90/12 gefunden, aber erstens Frag ich mich, ob der Preis i.O. ist und zweitens befürchte ich, dass diese etwas schwach auf der Brust sein könnte. Hier hab ich auch die Andere gefunden, allerdings weiß ich nicht, aber er mir als Nicht-Mercedesfahrer auch eine verkauft, wenn er überhaupt eine vorrätig hat.

Und gleich noch ne Frage: Ich will demnächst dann mal den Motor ausbauen. Werd mir für den Zweck so nen Motorkran besorgen. Hat zufällig jemand ne Ahnung wie ich den anhängen kann?

Grüße David
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Re: Hanomag RL 20 - Vorstellung

Beitragvon Shockwave » 09.05.2016, 19:25

Wow, ein toller Familienschlepper.

Hier schaue ich ab jetzt regelm. rein. Der Fortgang der Überarbeitung interessiert mich! :D
Gruß, Falko
JD X165 (2012) - JD 5055e (2011) - JD 212 (1979) - JD 110 (1966) - Energic 511 (1956) - MH Pony (1952) - JD B (1938) - JD E (1931) - JD GP (1928)
Es gilt das © für meine Bilder!
John Deere Freunde Deutschland.
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Re: Hanomag RL 20 - Vorstellung

Beitragvon Bauernschlepper » 20.08.2016, 21:00

Hallo Freunde!

Ich möchte euch mal ein kleines Update über den Fortschritt meines "kleinen" Vorhabens bringen:

Ich habe inzwischen alle Aufbauten wie Karosserieteile, Sitzgestell, Anhängerkupplung und Riemenantrieb demontiert und letztes Wochenende war es dann soweit, die "Scheidung" stand an:

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Der Motor war schnell ausgebaut, allerdings musste meine selbst zusammengeschraubte Palette noch etwas modifiziert werden, aber nach mehrmaligem Anheben und wieder Ablassen passte schließlich alles und der Motor war sicher auf der Palette verstaut.

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Ein paar Schweißarbeiten am Rahmen werden auch nicht ausbleiben:

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An dieser Brücke war die Anhängerkupplung mit angeschlagen. Diese wurde das eine oder andere Mal wohl etwas überlastet, sodass diese schlussendlich ziemlich schief hing und die Brücke augenscheinlich fast komplett aus der Verankerung gerissen hat.

Beim Motor habe ich, so wie es aussieht, nochmal Glück gehabt. Nachdem ich mal die Zylinderkopfabdeckung abgenommen habe stellte sich heraus, dass wohl lediglich ein Kernlochdeckel herausgekloppt ist. Dadurch fließt das Wasser, wenn es an dieser Stelle überläuft, natürlich direkt weiter in die Ölwanne.

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So, das war erstmal kurz und knapp der aktuelle Stand. Jetzt heißt es erstmal einen kompetenten Motoreninstandsetzer zu finden, falls jemand nen Tipp hat, immer her damit :D .
In ein paar Wochen werde mal das Traktormuseum am Bodensee besuchen, vielleicht kann ich mir an den dortigen RL 20 ja etwas abgucken.
Wünsch euch noch nen schönen Sonntag.

Grüße David
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Re: Hanomag RL 20 - Vorstellung

Beitragvon DeutzTim » 21.08.2016, 17:18

Herzlichen Glückwunsch und Viel Erfolg weiterhin!
Mit DieselGruß aus Wuppertal
Tim

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+ Hanomag Granit 500 Bj64

...ein Leben ohne Trecker geht - ist aber sinnlos!!!

...und was machst du den ganzen Tag? :trecker2: fahren
janoor
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Re: Hanomag RL 20 - Vorstellung

Beitragvon janoor » 05.05.2018, 19:52

Moin,

Wir haben auch einen RL20 und brauchen neue Silent Gummiblöcke für die Motoraufhängung. Weiß einer wo man die bekommt?
Moselschrauber
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Re: Hanomag RL 20 - Vorstellung

Beitragvon Moselschrauber » 13.05.2018, 15:58

Sehr schöner Bericht :D
Kramer Allrad alles andere ist Behelf! :thumbs:
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Feldscheune
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Re: Hanomag RL 20 - Vorstellung

Beitragvon Feldscheune » 21.10.2018, 20:58

Hallo, ich habe mir auch einen originalen RL 20 gekauft. Mal schauen ob ich auch so eine schöne Vorstellung schreiben kann.
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