Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Alles über den Wiederaufbau und die Restaurierung eures Schmuckstücks.

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Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon GTfan » 17.08.2015, 23:18

moin moin,

vor beinahe zwei Jahren wurde mir der Rest eines MIAG SH40 von 1943 angeboten.
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Ich hatte ihn bereits einige Zeit zuvor durch Zufall gefunden, als ich eigentlich einen ganz anderen Schlepper gesucht hatte. Nach der Besichtigung des anderen Schleppers, bei der Verabschiedung, erwähnte der Besitzer dann noch beiläufig "ach ja, da hinten in der Scheune unter der Plane steht übrigens noch ein MIAG Holzgas-Schlepper". Die Neugierde war geweckt, kannte ich doch schon zwei restaurierte und rekonstruierte Maschinen von Schleppertreffen der letzten Jahre.
http://www.oldtimermuseum-neumuehle.de/ ... eum_4.html

Und nun sollte der MIAG tatsächlich den Besitzer wechseln. Letztlich konnte ich die Maschine an das Landtechnik-Museum Braunschweig Gut Steinhof vermitteln, da dort seit vielen Jahren ein Holzgas-Schlepper gesucht wurde. Obendrein hatte die Firma MIAG ihren Stammsitz in Braunschweig, in ganz Braunschweig war bisher jedoch kein Produkt des MIAG Fahrzeugbaus museal erhalten. Es konnten also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.

Dieses Bild zeigte sich bei der ersten Besichtigung:
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Der Antriebsstrang ist vollständig, von den Blechteilen ist nicht mehr allzu viel übrig, die Substanz scheint aber gut zu sein. Motor und Getriebe stammen vom Ford BB, der LKW-Version des Ford B, der wiederum Nachfolger des Ford A war. Vor dem Ford A kam der altehrwürdige Ford T, also ein respektabler Stammbaum. Und eine halbwegs gute Ersatzteilversorgung - zumindest auf den ersten Blick. Mehr dazu im Laufe dieses Restaurierungsberichts...

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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon Shockwave » 20.08.2015, 21:20

Man darf gespannt sein....!!

Freu mich drauf.
Gruß, Falko
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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon Trecker D » 20.08.2015, 21:32

Moin!
Ich bin auch gespannt - immerhin hat der Steinhof mit dem "GTfan" ja auch den Präriedrescher und und und reanimiert. Leute! Das wird klasse!

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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon Hinnerk » 23.08.2015, 20:09

Auch ich muss sagen, dass ich mich über einen Restaurierungsbericht über den seltenen Miag freue.
Ich hatte das Glück, von GTfan ein paar "Vorabinformationen" zu diesem Fahrzeug zu erhalten... und bin deshalb ganz besonders gespannt, da sich dieser Miag-Holzgas-Straßenschlepper konstruktiv grundlegend von allen anderen bekannten Holzgasschleppern unterscheidet. Der Motor ist da ja schon ein bestechendes Beispiel...

Ich weiß, dass das Endergebins eine Wucht ist... :wink:

Gruß, Hendrik
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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon GTfan » 24.08.2015, 13:23

moin moin,

für Spannung hat dieses Projekt schon genug geführt, auch bei allen Beteiligten. Aber es wird! ;)

Genau, Hendrik, dieser MIAG ist das einzige Fahrzeug aus den 30er und 40er Jahren, das von Grund auf für eine Holzgasanlage konstruiert wurde. Alle anderen Holzgasmaschinen, seien es die Imbert-Anlagen in aufgelöster Bauweise:
http://www.traktor-oldtimer-freunde-wie ... werner.htm
oder die Einheits-Holzgasschlepper:
http://www.oldtimer-tennenbronn.de/php/ ... 07/holzgas
sind ausgehend vom normalen Schlepper modifiziert worden. Denn beim Einheits-Holzgaser kann man auch nicht wirklich von einer gelungenen Bauweise sprechen. Viel zu schwer auf der Vorderachse, eine riesige Haube, die vor dem Fahrzeug sehr viel Blickfeld verdeckt. Nichts wirklich gelungenes. Bei diesem MIAG ist jedoch der Rahmen ein Bestandteil der Holzgasanlage, er dient als Absetzbehälter für Teer und Wasser sowie als Kühler für das Gas. In ihm wird das Gas vom Generatorkessel vorne am Fahrzeug zum Filter hinter der Sitzbank geführt.

Und weiter geht es mit der Bestandsaufnahme:
Grob fahrbereit ist das Teil, die Zündung jedoch sehr ausgeschlagen und verstellt. Das Getriebe fühlt sich gut an, die Bremsen werden ihrem Namen gerecht. Der Vergaser ist nicht original, funktioniert aber halbwegs. Ein Ansaugkrümmer mit zwei Anschlüssen ist vorhanden, wobei der eine Anschluss nachträglich angeschweißt wurde. Alle wichtigen Teile des Antriebsstrangs sind da. Die Kupplungsglocke ist leider mehrfach gerissen, da es Ford-Teile sind bestand Hoffnung auf Ersatz.
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Von den Kotflügeln sind nur noch die hinteren Stehbleche und Reste der Trittplatten zwischen den Achsen vorhanden, die Holzgasanlage fehlt wie bereits beschrieben komplett.
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Hier ist der zweite Rahmen des Schlepper zu sehen, nicht der Hauptrahmen aus Rechteckrohr durch den das Holzgas geleitet wird. Denn die Zugmaschine ist voll gefedert! Dazu sind die Vorderrädern über eine Drehstabfederung am Hauptrahmen befestigt, die Hinterräder hängen mit dem gesamten Antriebsstrang in einem dreieckigen Schwingrahmen (auf dem Bild ersichtlich), der sich über der Hinterachse an Blattfedern abstützt. Vorne vor dem Motor befindet sich ein Drehgelenk, an dem dieser Rahmen aufgehängt ist.

Die vorderen Räder sind neuwertig, aber zu groß und unpassend, sie schleifen beim Lenken an den Rahmen. Die hinteren Räder entsprechen nicht dem Prospektbild, sondern besitzen zweiteilige Aluminium-Felgen mit Ballonreifen darauf. Diese Reifen wurden so wie es aussieht mehrfach runderneuert, zuunterst dürften Flugzeugreifen stecken.
Das gibt auch einen Hinweis auf die Herkunft dieser Reifen. Ob sie wirklich nicht "original" sind dürfte nicht mehr zu klären sein. Denn 1943 waren Reifen für Fahrzeuge lediglich auf Bezugsschein zu erhalten, genauso wie die Fahrzeuge selber. Ob dann wirklich die Doppelreifen aus dem Prospekt genommen wurden bzw. genommen werden konnten, darf bezweifelt werden. Immerhin befand man sich schon sehr tief im Krieg. Möglich auch, dass anstatt des Einreichens eines Reifenbezugsscheins lieber gebrauchte Flugzeugräder direkt vom Besitzer bei Auslieferung montiert wurden.
Fakt ist, dass erstaunlich viele Holzgas-Schlepper aus dieser Zeit diese oder sehr ähnliche Felgen besitzen:
http://www.oldtimer-tennenbronn.de/bild ... s/kl/2.jpg
Für eine erneute Verwendung nach der Restauration kommen die Räder leider nicht mehr infrage, die Struktur der Reifenmäntel ist sehr angegriffen. Und wer will schon Zöpfe aus den Textillagen der Reifendecke flechten...
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Natürlich werden die Räder aufgehoben und bleiben bei der Maschine, sie sind ja Teil der Geschichte.

Hier ein weiterer Teil der Geschichte, Relikt aus der Einsatzzeit des Fahrzeugs in der ehemaligen DDR:
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Mangels eines Fahrzeug-Fernthermometers musste damals eben ein Waschmaschinen-Thermometer her. Leider war es jetzt nicht mehr funktionsfähig, sonst wäre er natürlich im Amaturenbrett geblieben. Erhalten wird er trotzdem, auf welche Art und Weise werde ich später zeigen ;)
Auf dem Bild zeigen sich diverse Farbschichten, ganz unten kommt ein dunkleres Grün zum Vorschein. Dazu später mehr.

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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon schlütersim » 24.08.2015, 19:19

Bei so einer Rarität verfolge ich gerne den weiteren Bericht! :D :new:
Gutes Gelingen!
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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon Trecker D » 24.08.2015, 19:37

Moin!
Besonders freue ich mich, wie Fabian mit dem Fundzustand umgeht. Das hat einen Orden verdient!
Die montierten Reifen werden zwar ersetzt, aber beim MIAG gelagert. Sie erzählen sehr viel Geschichte! Auch das Thermometer wird erhalten - es gehört zwar nicht zum Auslieferungszustand, sondern zur späteren Geschichte und wird trotzdem erhalten!
Das gibt dem mittlerweile gebräuchlichen Begiff ( und natürlich deren Umsetztung ) "Patina" erhalten einen guten und richtigen Kurs.

Hut ab!

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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon Shockwave » 24.08.2015, 20:45

Feinwäsche.....ich schmeiß mich weg :mrgreen:

Tolles Detail!

Die Reifen sind an sich schon eine tolle Sache. Aluminium, Ballonreifen etc. Das sind Komponenten, die heute richtig Geld kosten würden.

Die Zwillinge hinten, bzw. die Aufmachung/"Styling" erinnert mich stark an einen Zettel Z2 Straße.
Gruß, Falko
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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon GTfan » 25.08.2015, 00:23

moin,

danke!
Die größten Hürden sind bereits überwunden, die Fotos zeigen nicht den aktuellen Zustand ;)

Dirk, vielen Dank für die Anerkennung. Wie gesagt, das Thermometer wird in DEM Amaturenbrett nicht wieder verbaut. Mehr dazu später.

Das Grundkonzept des MIAG ist ähnlich der Zettelmeyer Z2, das stimmt. Wobei der MIAG insgesamt eine Nummer größer ist, er wirkt auf den Bildern immer so klein und elegant - das Elegante bleibt in realita, aber klein ist er wirklich nicht. Einen Größenvergleich mit einer Z2 sollte nicht allzu schwer sein.
Der MIAG ist für eine Leistung von 25 PS bei Holzgasbetrieb ausgelegt. Der Motor leistet auf Benzinbetrieb 40 PS, der Typ nennt sich SH40. Inwieweit die Gedanken an eine provisorische Nutzung der Holzgastechnik bei der Benennung des Typs eine Rolle gespielt haben mögen, lässt sich heute nicht mehr sagen. Auffällig ist es schon.
Die Z2 hat allerdings Sechsloch-Hinterradfelgen, der MIAG hat Achtloch-Felgen.

Wer sich das Hinterrad genau ansieht, erkennt den "Continental"-Schriftzug recht weit innen auf der Reifenflanke. Bei einem Fahrzeug mit DDR-Vergangenheit deutet das schon mal stark auf ein Baujahr der Reifen vor 1945 hin. Wie verzweifelt versucht wurde, die Reifen am Leben zu halten, zeigen die zwei auffälligen Stufen in der Flanke: Zwei aufeinander aufbauende Runderneuerungen! :o

Falls jemand derartige Alu-Felgen mal in die Finger kriegen sollte: Noch einmal die Erinnerung daran, dass die zweiteilig sind!
Vor dem Abschrauben von einer Radnabe unbedingt die Luft vom Reifen ablassen. Das Aluminium könnte recht porös sein, die Schrauben, die die beiden Felgenhälften zusammen halten, schaffen es nicht mehr unbedingt die Kräfte zu halten. Da müssen die Radmuttern mit unterstützen. Andernfalls knallt es einmal laut, die Schrauben reißen aus ihren Löchern in der Felge und die eine Hälfte der Felge kommt einem schwungvoll entgegen!
So hier passiert, zum Glück nur beim Anlösen der Radmuttern, so dass die Felgenhälfte nicht weit fliegen konnte. Das hätte auch anders ausgehen können...
Die entsprechende Felge ist mittlerweile wieder geschweißt, auf dem Foto von der Felge oben rechts zu erkennen.

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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon fl237 » 25.08.2015, 23:14

Hi,
geiles Projekt,
... bin auch der Meinung, dass die Zurückversetzung in den Originalzustand die eine Sache ist, die Andere Sache ist die Geschichte zum Objekt.
Wenn das Eine umgesetzt und das Andere erhalten (und dokumentiert) wird ... -> einfach genial!!

Sicherlich sehr zeitaufwändig, nicht nur das doing, auch die Recherchen. Eine Herausforderung bestimmt auch die Ersatzteilversorgung.
Interessantes Projekt, nicht ganz einfach und vermutlich nicht zuletzt wegen der Teileverfügbarkeit auch langwierig und €intensiv?
Bin gespannt wie es weitergeht.

Gruß
Thomas
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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon Deutz 4006 » 26.08.2015, 18:04

Hallo,

Die Felgen, stammen die auch von einem Flugzeug? Flugzeugfelgen sind auch heute noch entweder 2-Teilig (auch bei großen Passagieremaschinen) oder als Sprengringfelge ausgelegt, zumal der Reifen ja ein Flugzeugreifen sein soll.
Viele Grüße

Simon


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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon GTfan » 26.08.2015, 19:36

moin,

ich habe noch nicht intensiv nach dem Flugzeugtyp gesucht, dem die Räder entstammen könnten.
Aluminium-Felgen mit Ballonreifen in Kriegszeiten riechen jedoch stark nach Flugzeug-Technik. Für die paar Holzgas-Schlepper wurden sie sicherlich nicht entwickelt, zumal alle Holzgas-Schlepper auf Werbebildern immer andere, "normale" Felgen drauf haben. Die müssen also irgendwo anders her kommen, da liegen Flugzeuge auf der Hand.

Mit der Ersatzteilversorgung ist das so eine Sache, ja. Dass Motor und Getriebe der Großserientechnik von Ford entstammen, hatte ich ja bereits erwähnt. Sie sind allerdings vom Ford BB, und der ist wirklich selten. Beim Motor kann man im Grunde einen vom Ford A nehmen, der ist nahezu gleich. Bei Getriebe und Kupplung wird das schon schwieriger. Auch dazu später mehr.
Man könnte meinen, dass man für die anderen Dinge nichts mehr kriegt. Lasst euch überraschen, Kollege Zufall spielt mit! ;)

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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon Trecker D » 26.08.2015, 21:20

Moin!
Und dann ist da noch der eigene Anspruch. Ford - Teile aus den USA ( leichter verfügbar ) oder eben wie damals verwendet aus Deutschland. Für aussen Stehende unsichtbar, für den Macher und den Insider grosses Kino!!

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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon GTfan » 26.08.2015, 23:30

moin,

bei den Ford-Teilen kann man nicht auf amerikanische Produkte verzichten - oder britische. Wozu auch. Sämtliche neue Motorenteile zum Beispiel kommen von "drüben", da ist das ein großer Markt. Hierzulande waren die Stückzahlen deutlich geringer. Selbst viele hier herum kurvende Ford A haben eine amerikanische Vergangenheit.
Der Motor hat übrigens noch eingegossene Hauptlager. Da gibt es nicht mehr viele Instandsetzer für in Deutschland!

Noch kurz zur Nomenklatur bei Ford:
Der A ist der Personenwagen, natürlich mit verschiedensten Karosserien ausgestattet, bis hin zum leichten Pickup.
Der AA ist der LKW auf Basis des A.
Der B ist der Nachfolger des A, in Deutschland auch als "Rheinland" bekannt.
Der BB ist dementsprechend der LKW auf Basis des B.
LKW klingt gewaltig, es ist das, was heute als Pickup oder Transporter durchgehen würde, die Dinger hatten bis zu eine Tonne Zuladung.

Wie spaßig eine Teilesuche selbst bei Großserienteilen werden kann, zeigen die folgenden Links:
http://www.fordgarage.com/pages/flywhee ... cracks.htm
http://www.fordgarage.com/pages/flywheelhousings.htm
Der untere Link führt zu zwei unterschiedlichen Versionen des Schwungradgehäuses, im Grunde einem Teil der Kupplungsglocke. Er deckt das Schwungrad im oberen Halbkreis ab, die untere Hälfte übernimmt die Ölwanne des Motors. So sieht das aber nur beim B/BB und ähnlichen Typen aus. Beim A ist es wieder anders, die deutlich besser verfügbaren A-Teile (aus heutiger Produktion!) passen also nicht.
Unser Schwungradgehäuse entspricht der verstärkten Version in dem unteren Link, war aber trotzdem gerissen. Glücklicherweise ließ es sich auch als Gussteil haltbar schweißen.

http://www.fordgarage.com/pages/btransmissioncases.htm
Das nächste spannende Thema, das Getriebegehäuse. auf dem Link zu sehen die Versionen vom B. Wohlgemerkt, selbst für den gab es unterschiedliche Versionen mit geringfügig abweichenden Flanschmaßen. Nun hatte der A eine mit vier Schrauben an das Getriebegehäuse geschraubte Kupplungsglocke. Beim AA erledigten das sechs Schrauben. Der B hat eine angegossene Kupplungsglocke. Was könnte der BB nun haben? Richtig, eine eigene Suppe. Er hat eine mit sechs Schrauben an das Getriebegehäuse geschraubte Kupplungsglocke. Natürlich sind die unterschiedlichen Kupplungsglocken dann auch noch verschieden "tief", haben also eine unterschiedliche vertikale Trennstelle zum oben abgebildeten Schwungradgehäuse. Manche haben eine "Nase" für das Anlasserritzel drin, andere Versionen nicht, da sie in den Bereich nicht mit hinein ragen. Durchtauschen ist also nicht mal so einfach möglich.
Natürlich war auch die Kupplungsglocke mehrfach gerissen und geflickt, wie das halten konnte ist bis heute rätselhaft. Immerhin ließ sich auch die Kupplungsglocke schweißen.

Der Ford B und BB wurde in Köln für den zivilen Markt eigentlich nur bis 1939 hergestellt. Der MIAG hat BB-Teile und wurde 1943 gebaut. Scheinbar waren da Kontingente in der Rüstungsproduktion frei...
Dann ist da noch die Sache mit dem Einfluss des amerikanischen Mutterkonzerns in der Zeit. Er war quasi nicht mehr vorhanden. Das heißt, alle Angaben über Änderungen und Optimierungen von Bauteilen sind mit Vorsicht zu genießen, man weiß nie ob sie auch im deutschen Werk eingeführt wurden. Denn deutsche Literatur dazu gibt es nicht wirklich. Wenn dann noch eine Fahrgestellnummer als Wechselzeitpunkt angegeben ist, wird es erst richtig spannend. Passten die Fahrgestellnummern der autarken deutschen Ford-Werke zum amerikanischen Vergabesystem und haben die wie erwähnt zeitgleich alle Änderungen mitgemacht?

Einen Lichtblick gab es: Die eingegossenen Ersatzteilnummern waren tatsächlich weltweit einheitlich!
Leider war der Kupplungsglocke die Nummer abhanden gekommen durch ältere Schweißversuche...

Fazit: Selbst wenn man Teile findet, ob sie passen zeigt sich erst, wenn sie nebeneinander liegen. Da in Europa quasi keine dieser außergewöhnlichen Teile wie Schwungradgehäuse und Kupplungsglocke auffindbar sind, müsste alles über den Teich her kommen und dann hier ausprobiert werden.

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Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon G-Peter » 26.08.2015, 23:30

GTfan hat geschrieben:Man könnte meinen, dass man für die anderen Dinge nichts mehr kriegt. Lasst euch überraschen, Kollege Zufall spielt mit! ;)


Im Musikunterricht zu Schulzeiten hatten wie mal das Thema: "Wie baut man einen Spannungsbogen auf."
:-)

P.S. Und Gut Steinhof ist ja in erreichbarer Nähe...ich brauch dafür noch nicht mal ein Navi. Hundertemal vorbeigefahren. Es wird wohl mal Zeit vorbei zu schauen.
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