Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Alles über den Wiederaufbau und die Restaurierung eures Schmuckstücks.

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Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon GTfan » 28.12.2015, 15:06

moin moin,

nach längerer Zeit mal wieder ein Update.

Alle größeren Teile, die nicht mit dem Antriebsstrang zu tun hatten, wurden sandgestrahlt und mit einer Epoxid-Grundierung versehen:

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Dies ist der Grundrahmen des Fahrzeugs, auf dem die Karosserie und der Holzvergaser montiert ist. Gut zu erkennen die Ausführung als hohles Kastenprofil. Das ermöglicht die Verwendung des Rahmens als Gasleitung zur hinter dem Fahrersitz angebrachten Feinreinigung sowie durch seine große Oberfläche auch als Gaskühler. Da sich durch das Abkühlen des Holzgases Kondenswasser und äußerst agressive Teere absetzen, wurde der Rahmen auch sorgfältig von innen gestrahlt und grundiert.

Bild
Der dreieckige Rahmen nimmt den gesamten Antriebsstrang auf, also Motor, Getriebe und Hinterachse. Anstelle des originalen Mattschwarz für die genannten Teile haben wir uns für einen Anthrazit-Farbton entschieden. Dieser sorgt für mehr erkennbare Details im Motorraum bei abgenommenen Seitenteilen.

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Hier noch einmal beide Hinterachsen versammelt.

Befassen wir uns mit den Karosserie-Arbeiten.
Wie bereits auf Seite 1 gezeigt, waren kaum noch originale Blechteile vorhanden. Die Kotflügel und die vordere Haube wurden nach Vorlage eines in Süddeutschland erhaltenen Exemplares von einem wahren Blechkünstler neu angefertigt. Besonders die Rundung vorne vor dem Generator erwies sich als äußerst schwieriges Tiefzieh-Teil!

Die Rekonstruktion von Holzgasanlage und Blechkleid übernahm der Holzgas-Spezialist, vielen Dank noch einmal dafür!

Die Bilder zeigen den Aufbau und die Anpassungsarbeiten der Holzgasanlage. Alle blanken Teile sind Neuanfertigungen, wie auch die Seitenteile der Haube und sämtliche Teile der Holzgasanlage. Die Seitenteile der Haube sind identisch mit den Seitenteilen vom Dieselschlepper LD20 und stammen aus einer Nachfertigung eines ostdeutschen Sammlers. Vielen Dank dafür, die Qualität ist hervorragend!

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Ein kleiner Benzin-Tank wurde ebenfalls nachgefertigt, um nicht für jedes Rangieren den Holzgas-Kessel anheizen zu müssen.
Die Motorhaube war vorhanden, jedoch beschädigt, sie kam ebenfalls neu.

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Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon Trecker D » 28.12.2015, 18:01

Moin!
Klasse Fabian, dass Du hier weiter machst!

Unfassbar viel Detail-Arbeit! Allein beim Blech war ein echter Könner zugange! Dass sieht man eben nur wenn noch kein Lack drauf ist.

Die Epoxyid-Grundierung mag orginalitäts Fetischisten ein Dorn im Auge sein - hier macht es echt Sinn, weil die Lebensdauer deutlich erhöht wird. Gibt ja nicht mehr so viele....

Allein die Planung der Vorgehensweise bei der Reanimierung des Miags zollt meinen Respekt. Der ganze Schlepper ist hoch komplex. Allein die nachgefertigten Bleche können nicht mal fix geändert werden, weil ein Bauteil dadran oder dadrunter auf einmal andere Masse vorgibt.

Habt Ihr gut gemacht und weiter so!

Chereeo
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und und und...
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Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon GTfan » 29.12.2015, 18:57

moin Dirk,

für all die Arbeit an Holzgas-Anlage, den übrigen Blechteilen und auch dem federführenden MIAG-Mitarbeiter kann auch ich nur den höchsten Respekt zollen.

Zu dem vorderen Ende der Haube muss erwähnt werden, dass es aus zwei Stücken gefertigt wurde! Die Rundung und die sich anschließende Blechpartie nach hinten gingen einfach nicht aus einer Blechplatte zu ziehen. Also wurde eine runde "Schüssel" von über 1m Durchmesser gepresst, in zwei Halbschalten getrennt und eine dieser Halbschalen an den Fortsatz angeschweißt. Schon vor dem Lackieren, auf den obigen Bildern, ist nicht wirklich erkennbar, dass dort geschweißt wurde. Traumhafte Nähte, glatt wie ein unberührtes Stück Blech.
Die Kotflügel haben selbstverständlich umgelegte Außenkanten mit Drahteinlage.

Beim nächsten Mal gibt´s eine Darstellung zum Aufbau der Holzgas-Anlage mit all ihren Komponenten.

beste Grüße,
Fabian
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Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon GTfan » 15.01.2016, 20:22

moin moin,

hier ein Schnittbild der Holzgas-Anlage des MIAG. Es half wesentlich bei der Rekonstruktion, war neben den beiden eingangs gezeigten Prospektbildern das einzige originale Schriftstück zu dem Schlepper.
Bild

Bis eines Tages während der Restauration plötzlich eine Bedienungsanleitung und eine Ersatzteilliste für eben diesen Typ im Internet auftauchte, ein Sammlerfreund wies mich darauf hin. Dass es diese Unterlagen jemals gab, war mir bis dahin unbekannt. Glücklicherweise haben beide Hefte den Weg hier her gefunden.

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Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon GTfan » 19.10.2016, 22:18

Moin moin,

nach längerer Pause an dieser Stelle nun mal wieder ein paar Updates.
Manch einer wird vielleicht den Artikel in der Schlepperpost gelesen haben. Dort ist die fertige Zugmaschine zu sehen, wir nähern uns an dieser Stelle langsamer dem aktuellen Stand.

In diesem Prospektausschnitt sind die originalen genieteten Felgen erkennbar. Die ursprünglich verbauten Flugzeugreifen waren nach über 70 Jahren und diversen Runderneuerungen nicht mehr so richtig brauchbar. Sie wurden eingelagert, originalgetreuer Ersatz sollte her.
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Eine passende Felge habe ich bei einem befreundeten Sammler finden können. Es ist eine zweiteilige Sprengringfelge, diese Bauart ist heute berüchtigt und gerade bei Reifendiensten überhaupt nicht gern gesehen. Die zweiteiligen Sprengringfelgen sind in der Tat alles andere als bombensicher, die Gefahr dass der Ring weg fliegt ist nicht zu unterschätzen!
Bild

Als Kompromiss gab es dann andere Felgen, um ein einheitliches Bild zu haben. Leider konnte ich von den links erkennbaren genieteten Felgen mit den ovalen Löchern zu dem Zeitpunkt lediglich zwei auftreiben, sie sitzen jetzt außen auf der Zwillingsbereifung, von den andersartigen Felgen wie rechts im Bild sieht man absolut nichts auf der inneren Spur.
Bild

Wie bereits erwähnt, konnten aus vier Ankerblechen und acht Bremsbacken jeweils die besten Teile heraus gesucht werden. Auch ließen sich in den zwei Hinterachsen immerhin alle weiteren Kleinteile wenigstens einmal im Original vorfinden, so dass die Suche nach Neuteilen beginnen konnte. Ein regionaler Bremsenspezialist hat dort ganze Arbeit geleistet, er fand die Zugfedern, die gebogenen Blechfedern und die Führungsbolzen an den Blechfedern tatsächlich als Neuteile bei einem Hersteller! Er war es auch, der die Gummifeder aus dem letzten Beitrag auf S.2 organisieren konnte.
Bild

Kommen wir zum Motor.
Wie anfangs erwähnt, lief der Motor bis zur Restauration. Zwar fehlte jede Laufkultur, er mochte kein Gas annehmen und nahm Fehlzündungen als selbstverständlich hin. Aber er lief, was uns hoffnungsvoll stimmte. Was jedoch so alles in einem eigentlich recht einfach aufgebauten Motor stecken kann, ist schon erstaunlich.
Auf Empfehlung eines befreundeten Sammlers fand sich ein Motoreninstandsetzer mit langer Erfahrung an diesen Motoren und einem sehr guten Ruf in der Auto-Szene für Vorkriegsmotoren.
Zuerst einmal der vorbereitete Block:
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In den gesäuberten Motor wurden zuerst die neuen Kurbelwellenlager aus Weißmetall eingegossen. Erst anschließend wurden die Zylinder ausgebohrt, um während des Gießprozesses die späteren Laufflächen nicht zu beschädigen.
Der Motor besitzt normalerweise keine gesonderten Laufbuchsen, die Zylinder sind direkter Teil des Motorblocks. Bei der Demontage zeigte sich, dass zu DDR-Zeiten mal hauchdünne Rohre als eine Art Laufbuchse in den aufgebohrten Motorblock gebaut wurden. Diese wurden natürlich entfernt.
Nach dem erneuten Bohren des Blocks tauchte plötzlich ein Riss im Block auf, zwischen Brennraum, äußerem Stehbolzen und Außenseite. Also war ein neuer Motorblock fällig...
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Einen schönen Abend noch,
Fabian
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Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon D!esel » 03.12.2016, 23:26

Wirklich erstaunlich diese Restauration :o
Sehr gründliche restauration, ich kann Ihr nur dazu gratulieren!
Meine Sammlung: https://dieselross-sammler.jimdo.com
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Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon GTfan » 12.07.2017, 21:08

Moin moin,

auch hier soll es mal wieder weiter gehen.

Die Ford-Motoren gelten eigentlich als unkompliziert - umso erstaunlicher dass der originale Motor bei genauerer Untersuchung Risse in Block und Zylinderkopf zeigte. Hier war also ein komplett neu aufgebauter Motor mit Austauschblock und -kopf fällig. Irgendwann war auch das erledigt und das Puzzle konnte wieder zusammen wachsen:

Bild

Gut zu erkennen dabei die beiden Anschlüsse am Ansaugflansch, unten mit Vergaser, oben für die Holzgas-Zuleitung. Da dem Holzgas noch Frischluft zugemischt werden muss (Gemischqualität), die Gemischmenge des Holzgases eingestellt werden muss und eine Umstellung zwischen Benzin- und Gasbetrieb zuverlässig erfolgen muss ohne dass Falschluft angesaugt wird, ist es noch ein längerer Weg bis der Motor wirklich Zweistoff-fähig ist. Das Bauen und Abstimmen gleich mehrerer Drosselklappen übernahm glücklicherweise der einschlägig bekannte Holzgas-Spezialist.

Beim MIAG LD20 war die Farbe des Antriebsstranges immer tiefschwarz. An beiden Hinterachsen fanden wir den gleichen grünen Farbton. Wir haben nach längerer Überlegung einen Anthrazit-Farbton für die Antriebskomponenten gewählt, da dieser unempfindlicher gegenüber Verschmutzungen ist, mechanisch robuster als das Grün sowie mehr Kontraste und Details erkennen lässt als das Schwarz. Obendrein sind die derart lackierten Teile erst beim Abnehmen der Motorhauben und auf der Fußplatte des Fahrerstandes zu sehen, optisch also nicht unauffällig.

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Nachdem die Kupplungsglocke noch ein zweites Mal geschweißt werden musste und die Kupplung überholt war, konnten Motor, Getriebe und Hinterachse wieder zusammen wachsen.

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Dann ging es ans Grundieren, Füllern und Schleifen der Blechteile:

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Viele Grüße,
Fabian
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Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon Shockwave » 24.07.2017, 19:34

Ein tolles Projekt.
:D

Was habt ihr euch so als Timeline gegeben? Jahresende?
JD X165 (2012) - JD 5055e (2011) - JD 110 (1966) - JD 212 (1979) - Energic 511 (1956) - MH Pony (1952) - JD B (1938) - JD E (1931) - JD GP (1928)
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Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon Trecker D » 24.07.2017, 22:42

Moin!
Timeline ? ( gutes Buch übrigens! )
Der "Phönix" ist schon eine ganze Weile fertig auf dem Steinhof zubewundern!
Hut ab Fabian und hoffentlich findest Du noch Zeit, dieses Thema genau so gut zum Ende zu bringen.

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Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon GTfan » 24.07.2017, 23:16

Moin Falko,

der Bericht ist an dieser Stelle tatsächlich eine Art Rückschau.
Bereits im Oktober letzten Jahres schrieb ich weiter oben:
GTfan hat geschrieben:
Manch einer wird vielleicht den Artikel in der Schlepperpost gelesen haben. Dort ist die fertige Zugmaschine zu sehen, wir nähern uns an dieser Stelle langsamer dem aktuellen Stand.


Hier hatte ich seinerzeit die erste Präsentation des Holzgasers angekündigt:
viewtopic.php?f=63&t=18869

Die Fertigstellung des Schleppers zu der Veranstaltung hatte seinerzeit Vorrang und forderte auch noch einen ganzen Berg Arbeit. Seither konnte ich mich intensiv mit der zickigen Holzgastechnik und so einigen weiteren Details auseinander setzen. Es fehlen nicht mehr viele Episoden in diesem Restaurierungsbericht, nach dem historischen Feldtag in Nordhorn werde ich hier den weiteren Weg zum fertigen Schlepper darstellen.
Über die Erfahrungen und Tricks die es für den Holzgas-Betrieb braucht, berichte ich gerne in einem persönlichen Gespräch vor Ort an der Maschine - technische Erläuterungen sind am lebenden Objekt wesentlich einfacher als auf dem Bildschirm.

In den nächsten Wochen wird es zudem noch einen weiteren Neuzugang zum Thema Holzgas geben, auch darüber werde ich beizeiten berichten. :wink:

Viele Grüße,
Fabian
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Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon Shockwave » 24.07.2017, 23:22

Timeline=》 Zeitlinie......

Danke für die Erklärung Fabian. Hatte ich nicht mehr auf dem Schirm.
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Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon tigerhamburg » 27.07.2017, 15:48

Moin Fabian,
Deine Dokumentationen sind immer ein Genuß, ich knipse immer viel zu wenig...
Aber wenn eines Tages der Ritscher 936 L und das Motorpferd dran sind, werd ich auch mal einen ausführlichen Bericht schreiben....
Gruß Holger

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