Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Alles über den Wiederaufbau und die Restaurierung eures Schmuckstücks.

Moderator: Traktorhof Team

Benutzeravatar
GTfan
Moderator
Moderator
Beiträge: 3256
Registriert: 17.04.2009, 13:45

Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon GTfan » 26.08.2015, 23:55

@G-Peter:
Noch ist die Maschine dort nicht zu sehen, sie steht noch außerhalb des Geländes in der Werkstatt. Ich werde die offizielle Präsentation hier demnächst ankündigen.

mfG
Fabian
Google Werbung
Sponsor
Registriert: Mi 18. Juni 2003, 00:00
Wohnort: Internet

Werbung

Beitragvon Google Werbung » Automatisch

Benutzeravatar
Trecker D
Ingenieur
Ingenieur
Beiträge: 872
Registriert: 13.04.2009, 11:18
Wohnort: Knesebeck

Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon Trecker D » 27.08.2015, 22:37

Moin!
Ich glaube nicht, dass Fabian ein grosses Augenmerk auf den Spannungsbogen hat. Das wollte "G-Peter" wohl auch nicht so ausdrücken.
Es geht hier um einen Bericht, der wirklich mal in die Tiefe geht. Deshalb auch meine Anspielung auf die orginalen deutschen Ford- Teile. Ich habe absolut nicht damit gerechnet, dass das derart komplex ist. Fabians Bericht über die Situation hat mich echt erschüttert. Wenn man da sieht wie einfach andere Schlepper ohne Holzgas ( z.B. Hanomag oder Lanz ) mit nachgefertigten oder guten gebraucht Teilen hergerichtet werden können, bekommt das hier einen anderen Stellenwert.
Und da haben wir nur über Motor und Getriebe gesprochen! Die Gasanlage ist da bestimmt noch viel interessanter.
Fabian! Mach bitte weiter so. Ich habe an entsprechender Stelle noch einige Fragen. Das Buch über Holzgasschlepper von Bach/Grimme konnte mir da auch nicht weiter helfen. Sammelt im Steinhof Eure Erfahrungen mit einer Maschine aus einer wirklich turbulenten Zeit der technischen Entwicklung und lasst es nicht in Vergessenheit geraten.

Chereeo ( Dirk )
Fiat DT 615
Fiat DT 315
MAN A32A/0
MAN 2 K1
MAN 4R2
MAN AS 330 ( 1xA Bj.52, 1xFH Bj.51 beide in üblen Zustand)
Deutz F1L514
Deutz E3.4 ( Leuchtgasmotor Bj. 1902)
und und und...
G-Peter
Bauer
Bauer
Beiträge: 162
Registriert: 15.05.2011, 21:40
Wohnort: Südheide

Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon G-Peter » 28.08.2015, 03:16

Trecker D hat geschrieben:Ich glaube nicht, dass Fabian ein grosses Augenmerk auf den Spannungsbogen hat.

Vielleicht nicht bewußt...dann eben unbewußt ;-)
Auf jeden Fall ein richtig toller Bericht in dem viel Doku-Arbeit steckt und noch stecken wird (von der Schrauberei etc. mal abgesehen). Ich bin gespannt wie es weitergeht.

Gruß Peter
Eicher G22 Kombi
Benutzeravatar
GTfan
Moderator
Moderator
Beiträge: 3256
Registriert: 17.04.2009, 13:45

Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon GTfan » 31.08.2015, 23:00

moin moin,

nachdem sich Partner für die umfangreiche Restauration des MIAGs gefunden hatten, konnte das Landtechnik-Museum Braunschweig - Gut Steinhof den Schlepper zu Beginn des Jahres 2014 erwerben, kurz darauf begannen auch schon die Restaurationsarbeiten.

Freundlicherweise stellte die Eckensberger-Stiftung aus Braunschweig einen stattlichen Geldbetrag zur Verfügung und machte damit die ganze Restauration erst möglich.
Für die technische Überholung erklärte sich die Firma MIAG Fahrzeugbau aus Braunschweig, eine Ausgründung "der alten MIAG", bereit, Werkstattkapazitäten zu stellen.
http://www.miag.de/index.php?m=9&page=9

Der in der Szene bekannte Holzgas-Spezialist schlechthin hatte vor 20 Jahren schon an anderen erhaltenen MIAG SH40 geschraubt und konnte für die Rekonstruktion der Holzgasanlage gewonnen werden.

Bild
Noch am Tag der Ankunft im Museum wurde der Schraubenschlüssel geschwungen, auch wenn es verglichen mit den später folgenden Arbeiten nur Kleinkram war. Der Schlauch des Vorderrades war auf der Felge verrutscht.
Der Deutz im Hintergrund war zweiter Patient des Tages und hat nichts mit dem MIAG zu tun.

Bild
Hier gut zu erkennen der Aufbau der Vorderachse mit ihrer Drehstabfederung.

Bild
Dann ging es auch schon zur Firma MIAG.

Bild
Hinter den Kotflügeln zeigte sich, dass die spärlich vorhandenen originalen Bleche tatsächlich keine Durchrostungen aufwiesen.
Auf dem Bild auch gut sichtbar eines der Blattfederpakete für die Hinterachse.

Bild
Der Antriebsstrang, auf den ersten Blick gut erhalten und nur geringfügig überholungsbedürftig.
Der Motor lief ja, wenn auch mit miserabler Laufkultur, hatte aber beeindruckende und v.A. nahezu gleichmäßige 9 bar Kompression, was für einen Motor aus der Zeit nicht allzu schlecht ist. Das Getriebe fühlte sich gut an, einzig die Schaltung war etwas labbrig und die Rückwärtsgang-Sperre ohne Funktion. Die Bremsen waren auch offensichtlich zu überholen.

Was dann daraus wurde ist ein hervorragendes Beispiel für viele Restaurationen. Wenn man erstmal hinter die Kulissen der Technik guckt, findet man erstaunliche Dinge! Und am Ende hat man doch viel mehr bearbeiten müssen als ursprünglich gedacht...

mfG
Fabian
Google Werbung
Sponsor
Registriert: Mi 18. Juni 2003, 00:00
Wohnort: Internet

Werbung

Beitragvon Google Werbung » Automatisch

Benutzeravatar
GTfan
Moderator
Moderator
Beiträge: 3256
Registriert: 17.04.2009, 13:45

Re: Ein Phoenix mit der Asche

Beitragvon GTfan » 08.09.2015, 00:24

moin,
auf eine neue Runde des Berichts:

Wie bereits erwähnt, erklärte sich die Firma MIAG-Fahrzeugbau zu umfangreicher Unterstützung bereit. Dadurch konnte die technische Überarbeitung dort stattfinden, was die ehrenamtlichen Kräfte des Museums (bei diesem Projekt im wesentlichen ich) deutlich entlastete. So blieb mir die Organisation und Koordination, Teilebeschaffung, Kontakte knüpfen sowie einige kleinere Baugruppen übrig. Einen großen Dank noch einmal an die entsprechenden Stellen!

Trecker D hat geschrieben: Fabians Bericht über die Situation hat mich echt erschüttert. Wenn man da sieht wie einfach andere Schlepper ohne Holzgas ( z.B. Hanomag oder Lanz ) mit nachgefertigten oder guten gebraucht Teilen hergerichtet werden können, bekommt das hier einen anderen Stellenwert.
Und da haben wir nur über Motor und Getriebe gesprochen! Die Gasanlage ist da bestimmt noch viel interessanter.

Das mit der Gasanlage war eigentlich ziemlich einfach: Es gibt und gab nichts an alten Teilen! Da ist eine komplette Rekonstruktion nötig.

Heute jedoch erstmal zu dem Schaltgetriebe von Ford:

Bild

Es handelt sich um ein Viergang-Getriebe, das nahezu gleiche Gehäuse beherbergte im Ford A anfangs noch drei Gänge. Natürlich jeweils zuzüglich eines Rückwärtsgangs. Also nicht nur äußerliche Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Ford-Baureihen (siehe meinen Beitrag vom 26.08.), sondern auch unterschiedliches Innenleben je nach Baujahr.
Bild
Das Getriebe ist das kleine Ding zwischen Kupplungsglocke und der äußerst massiven Hinterachse. Es ist der Zeit entsprechend ein gerade verzahntes Schubrad-Getriebe mit einem starren Durchtrieb im obersten Gang.
Fast schon filigran mutet es dort an, während die Hinterachse sicherlich mehr Leistung vertragen könnte als die 25 Holzgas-PS oder gar die 40 Benzin-PS.

Das Lenkgetriebe stammt übrigens von Fulmina.

Bild

Auf den ersten Blick sieht das Getriebe recht gut aus. Ein paar Zahnräder sind an den Seiten leicht abgerundet durch geräuschvolle Schaltvorgänge, aber massive Verschleißschäden waren an ihnen nicht zu erkennen! Alle Zahnflanken waren sauber und heile. Einziges Problem war, dass die Wellenabstände nicht mehr so richtig passten, auf dem Fußkreis der Zahnräder waren Abdrücke des jeweils darin kämmenden Gegenstücks! Mit neuen Lagern sollte das nun behoben sein, die wesentliche Ursache dürfte der in den beiden letzten Bildern dokumentierte Verschleiß gewesen sein.

Der Grundaufbau des Getriebes ist klassisch. Über eine Eingangswelle (hier bereits demontiert, von rechts kommend) kommt die Leistung ins Getriebe und wird sofort auf die darunter liegende Vorgelegewelle geleitet. Das Zahnrad dafür ist fest mit der Eingangswelle verbunden beziehungsweise das ist ein einziges Werkstück. Die drei Zahnräder auf der oberen Welle bieten nun die Schaltauswahl für die drei unteren Gänge, im vierten Gang werden wie erwähnt die Ein- und die Ausgangswelle miteinander verbunden und die untere Vorgelegewelle hat keine Funktion.
Das Rückwärtsgang-Zahnrad ist hier nicht zu erkennen.

Bild

Appetitlich war es nicht, was aus dem Getriebe heraus kam, hat aber die Zahnräder und Wellen gut konserviert.

Bild

Hier mag man sich zu Anfang fragen, was das wohl sein soll.
Es ist die Hauptwelle des Getriebes, erkennbar ist die Lagerfläche, auf der die Eingangswelle läuft. Auf dem Bild guckt man also vom Motor aus ins Getriebe. In der Draufsicht zwei Bilder weiter oben ist das Wellenende ganz rechts sichtbar. Links geht es dort zur Hinterachse.
Man mag kaum glauben, dass das tatsächlich mal die innere Lauffläche eines Nadellagers gebildet hat. Der ursprüngliche Durchmesser ist ganz vorne an der Spitze der Welle erkennbar. Es fehlten mehrere Millimeter im Radius!!

Bild

Hier noch mal das Problemkind in Einzelaufnahme, die Dimension des Verschleißes wird hier noch besser deutlich. Wenn ich mich richtig erinner, war es ein ursprünglicher Durchmesser von 1" (ja natürlich, Getriebe und Motor sind trotz deutscher Produktion selbstverständlich zöllig! Also 25,4mm Durchmesser), an der dünnsten Stelle waren noch ca. 17mm Durchmesser vorhanden!
Daneben liegt nicht etwa irgendein Stück Metallschrott, sondern eine der Nadeln des Lagers!!

Zum Glück waren alle benötigten Lager für das Getriebe noch in den aktuellen Normungslisten und somit recht problemlos im Fachhandel zu beschaffen. Bei der Hauptwelle wäre ein Abdrehen und Aufschrumpfen einer neuen Buchse möglich gewesen, doch es ergab sich anders, das kommt in der übernächsten Episode... :wink:
Nächstes Mal geht es an die Hinterachse.

mfG
Fabian
Benutzeravatar
Hawk
Kleinstbauer
Kleinstbauer
Beiträge: 102
Registriert: 25.01.2010, 21:36
Wohnort: Heilbad Heiligenstadt
Kontaktdaten:

Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon Hawk » 08.09.2015, 17:06

Na das ist ja der Hammer mit den Wellenstumpf.
Da kann man echt froh sein das kein größerer Schaden entstanden ist.
Schön das für diese Projekt MIAG Fahrzeugbau mit ins Boot bekommen habt.
Bei Anfragen zu Unterlagen vom Traktorenbau, haben sie immer verneint, weil alles vernichtet wurde.
MIAG LD20 im Wiederaufbau
Dexheimer AL 222
Benutzeravatar
GTfan
Moderator
Moderator
Beiträge: 3256
Registriert: 17.04.2009, 13:45

Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon GTfan » 08.09.2015, 18:15

moin,

MIAG Fahrzeugbau selbst hat auch keinerlei Unterlagen über die Schlepper. Auch nicht die Nachkriegsschlepper. Auch bei Bühler, die die komplette Firma MIAG vor einigen Jahrzehnten aufgekauft hat, ist nichts mehr vorhanden. Nach der Übernahme durch Bühler gründete sich dann die MIAG Fahrzeugbau als eigenständige Firma aus dem Bühler-Konzern heraus. Eine heiße Spur zu alten Unterlagen gibt es aber, Kollege Zufall half auch dort:
Irgendwann zu Beginn der Restauration erwähnte meine Mutter zufällig, dass der Nachbar ihres Elternhauses bei der ursprünglichen Firma MIAG gearbeitet hat, soviel sie wusste auch in etwas höherer Position. Bei der nächsten Begegnung habe ich ihn darauf angesprochen. Es stellte sich heraus, dass er der langjährige Werbe- und Archivleiter war. Klein ist die Welt!
Falls im Braunschweiger Stammwerk tatsächlich Unterlagen aus der Schlepperproduktion in den Werken Frankfurt und Ober-Ramstadt existierten und diese die vollständige Zerstörung aller Werke im Krieg überlebt haben, besteht eine Chance, dass es noch Unterlagen gibt. Ich halte die Aussicht jedoch für gering. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen, ich konnte da aus Zeitgründen noch nicht weiter hinterher forschen.
Nachfragen bei den heutigen Firmen sind sinnlos, dort ist definitiv nichts mehr, über den Verbleib des alten Archivs kann dort ebenfalls niemand etwas sagen.

Die Ausgangslage für die Rekonstruktion der Holzgasanlage war denkbar schlecht. An Unterlagen dafür war der auf der ersten Seite in Kopie abgebildete Prospekt bekannt, der Holzgas-Spezialist konnte noch ein Schnittbild der gesamten Zugmaschine beisteuern.
Ein ganz paar weitere Exemplare sind ja erhalten, die meisten jedoch auch mit rekonstruierter Holzgasanlage auf Basis der Prospektbilder. Durch ein anderes Forenmitglied hier bin ich auf die Spur einer zu 95% originalen, in der Szene weitgehend unbekannten Maschine gekommen. Ein anderer Sammler konnte mir schließlich auch den Besitzer nennen und den Kontakt vermitteln. Diese eine Maschine konnte vermessen werden, um auf der Basis dann die Kotflügel und den gesamten Holzgaskessel nachbauen zu können. Vielen Dank dafür noch einmal!

Hier noch zwei Bilder des zerlegten Getriebes. Es war komplett ausgeräumt.
Bild

Bild
Im Vordergrund liegt übrigens eine der Steckachsen der Hinterachse. Ein riesiger Trümmer, zum Größenvergleich liegen Handschuhe, ein Handy, die Wasserflasche und ein nicht ganz kleiner Schlagschrauber auf dem Tisch... ;)

mfG
Fabian
Benutzeravatar
squiddy
Monteur
Monteur
Beiträge: 673
Registriert: 26.09.2012, 09:41
Wohnort: Bayern

Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon squiddy » 08.09.2015, 22:05

GTfan hat geschrieben:Im Vordergrund liegt übrigens eine der Steckachsen der Hinterachse. Ein riesiger Trümmer, zum Größenvergleich liegen Handschuhe, ein Handy, die Wasserflasche und ein nicht ganz kleiner Schlagschrauber auf dem Tisch... ;)


Die spinnen doch, die MIAGs!
Benutzeravatar
GTfan
Moderator
Moderator
Beiträge: 3256
Registriert: 17.04.2009, 13:45

Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon GTfan » 16.09.2015, 09:05

moin moin,

wie versprochen geht es heute um die Hinterachse.
Dieses monströse Teil verbirgt ein Schneckengetriebe, wie es ähnlich damals ein Großteil der Schlepper besaß. Beispielsweise all die Normags und MIAG-Diesel der Vorkriegsproduktion, manch ein Normag auch später noch. Während die Schnecke aus Stahl ist, besteht das Tellerrad aus einer Aluminium-Verbindung. Das klingt erstmal außergewöhnlich, ist aber bei den oben genannten anderen Typen auch zu finden.
Diese Hinterachse habe ich baugleich bisher noch in keinem anderen Schlepper aus der Zeit gefunden, sie scheint speziell für den SH40 entwickelt und produziert worden zu sein.

Links im Bild ist die Handbremse zu erkennen, sie wirkt an der Rückseite des Getriebes als Außenbandbremse auf die Schneckenwelle.
Bild

Die Schnecke, auch mal eben fast 20 kg schwer!!
Bild

Das ausgeräumte Hinterachsgehäuse
Bild

Und dann das Hauptproblem der Hinterachse. Die Passfedern und ihre Sitze wurden im Laufe der Zeit bei irgendeiner Überholung nachgearbeitet. Leider nicht gleichmäßig. Diese Passfedern halten, neben dem Konus der Welle, die Bremstrommeln/Radnaben mit den Achswellen verbunden. Natürlich waren auch die Bremstrommeln entsprechend auf die unterschiedlichen Breiten und Höhen der nun verwendeten Passfedern angepasst. Und so richtig schön saß das alles nicht mehr zusammen.
Also was tun?
Die Wellen aufarbeiten und mit neuen Passfedersitzen auszustatten ist natürlich möglich. Aber den Bremstrommeln neue Passfedernuten zu verpassen ist nicht ganz so schön.
Obendrein war an der Abdichtung herum gepfuscht worden - original waren da schon Simmerringe verbaut, die auf eigenen Hülsen liefen, so dass die Dichtfläche im Verschleißfall auswechselbar ist. Allerfeinster Maschinenbau!
Bild

Bild

Jetzt wären neue/andere Bremstrommeln und Steckachsen schön...

mfG
Fabian
Benutzeravatar
Deutz 4006
Vorstand
Vorstand
Beiträge: 1545
Registriert: 15.10.2005, 21:35
Wohnort: Steißlingen (Baden)

Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon Deutz 4006 » 17.09.2015, 06:30

Hallo, so eine ähnliche Konstruktion besitzen auch manche Schanzlin-Kleintraktoren, bei denen ist es aber eine Verzahnung auf der Welle. Leider neigt diese dazu in der (wohl zu weichen) Bremstrommel auszureiben und irgendwann dreht sich dann die Achse ohne dass sich das Rad mitdreht (bei uns im Dorf im Bauhof passiert).

Dass jüngere größere Traktoren eine andere Konstruktion nutzen mit Verzahnung im Differential hat wohl seinen Grund.
Viele Grüße

Simon


Deutz D 4006, DX 3.50 A StarCab, Clark CGP 30 H, Manitou MC 25
Benutzeravatar
GTfan
Moderator
Moderator
Beiträge: 3256
Registriert: 17.04.2009, 13:45

Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon GTfan » 21.09.2015, 23:59

moin,

die Keilwellenverzahnung am anderen Ende der Welle ist ja vorhanden. Heutzutage kommt sowas idealerweise auf beide Enden der Achsen. Oder die Radnabe wird mit der Welle verschweißt.

Wir waren bei den beschädigten Steckachsen der Hinterachse und einer schrottreifen Getriebe-Hauptwelle stehen geblieben.

Im Vorfeld der Restauration hatte ich mich bei einigen befreundeten Sammlern mit Vorkriegs-Schleppern und -Unterlagen umgehört, ob irgendwo weitere Unterlagen zu dem MIAG vorhanden sind. Auf dem Wege konnte ich eine Kopie des originalen Prospektes von der ersten Seite dieses Berichts kriegen. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal! Einige Wochen später erreichte mich ein Anruf, dass in Sachsen womöglich Reste eines weiteren SH40 aufgetaucht seien, ich solle doch mal Kontakt aufnehmen. Gesagt getan, es fand sich dieses auf den ersten Blick kaum identifizierbare Wrack:
http://umschaltsperre.de/wp-content/upl ... 014-06.jpg
Da der Besitzer das Teil nur aufgrund des Motors gekauft hatte, konnte der Rest äußerst fair erworben werden, nachdem die erwähnten Mängel und Schäden an Getriebe und Hinterachse bei dem Restaurationsobjekt aufgetaucht waren.
So sah das ganze dann aus:
Bild
Bis auf die Hinterachse, das Getriebe (auf den ersten Blick), Teile der Sitzbank sowie die Spritzwand samt Amaturenbrett und der total zerstückelte Rahmen war eigentlich nichts mehr übrig.

Von dem originalen Rahmen war nicht mehr ganz so viel übrig, der zu DDR-Zeiten eingepflanzte Dieselmotor brauchte mehr Platz. Es folgten Angstbleche an den Ausschnitten, die wiederum irgendwann eingekürzt wurden. Ein äußerst abenteuerliches Flickwerk. Aber um den Rahmen sollte es ja auch nicht gehen.
Bild

Bild
Die Vorderachse ist nicht original!
Bild

Bild
Das Getriebe des Teileträgers, ein genauerer Blick zeigt die angegossene Kupplungsglocke. Es stammt also vom Ford B und passt nicht. In den Teileträger passte es auch nur durch "Anpassungen" am Blechkleid...
Aber, nach dem Zerlegen war die Erleichterung groß, die Hauptwelle war identisch mit unserem Getriebe. Auch waren viele Zahnräder noch besser erhalten und konnten ebenfalls übernommen werden.
Bild

Die Steckachsen waren leider auch schon mal "behandelt" worden. Somit gab es jetzt vier Steckachsen und vier Bremstrommeln mit jeweils unterschiedlichen Maßen der Passfedernuten. Genommen wurden dann die zwei besten Steckachsen samt ihrer dazugehörigen Bremstrommeln, bei den Brems-Ankerplatten konnten ebenfalls aus vier teilweise vollständigen zwei komplette Bremsen gestückelt werden.
Bild

Bild

Wer oben aufmerksam mitgelesen hat, dem dürfte das zweite Amaturenbrett aufgefallen sein. Damit hat sich eine angemessene Heimat für das Waschmaschinen-Thermometer gefunden!

mfG
Fabian
Benutzeravatar
Deutz 4006
Vorstand
Vorstand
Beiträge: 1545
Registriert: 15.10.2005, 21:35
Wohnort: Steißlingen (Baden)

Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon Deutz 4006 » 22.09.2015, 06:28

Hallo,

zu den Keilnuten hätte ich eine Frage: Wäre es nicht möglich gewesen, beide etwas größer auszufräsen aufs gleiche Maß (an Welle und Bremstrommel) und dann größere Federn zu verwenden?

PS: Ich habe so etwas noch nie gemacht, und kenne mich mit den Feder-Verbindungen auch nicht sonderlich aus.
Viele Grüße

Simon


Deutz D 4006, DX 3.50 A StarCab, Clark CGP 30 H, Manitou MC 25
Benutzeravatar
GTfan
Moderator
Moderator
Beiträge: 3256
Registriert: 17.04.2009, 13:45

Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon GTfan » 22.09.2015, 10:41

moin,

in gewissem Rahmen wäre das möglich gewesen. Die Norm lässt da etwas Spielraum, der wäre hier allerdings überschritten worden. Was wiederum die Festigkeit nicht unbedingt verbessert hätte. Wobei eigentlich ein Konus in Verbindung mit einer Passfeder heute eh nicht mehr angewendet wird, die Passfeder-Norm geht von gleichmäßigen Wellen aus.
Auf dem vorletzten Bild ist die Passfedernut deutlich sichtbar zu breit für den Durchmesser geraten, auch das Gewinde der Spannmutter wurde schon mal auf einen kleineren Durchmesser und eine andere Steigung gebracht...

Eine Alternative wären komplett neue Nuten gewesen. Einfach um 180° verdreht auf der Welle und der Bremstrommel. Dazu sollten dann auch die alten Nuten verschlossen werden, was bei der Welle einfacher gewesen wäre als bei der Bremstrommel. Denn geschweißt werden sollte bei beiden nicht!
Durch den Teileträger sind wir drum herum gekommen und konnten die besten Teile auswählen. Wenn das nicht hält, wird es wohl auf neue Nuten hinaus laufen.

mfG
Fabian
Benutzeravatar
GTfan
Moderator
Moderator
Beiträge: 3256
Registriert: 17.04.2009, 13:45

Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon GTfan » 08.10.2015, 19:50

moin moin,

dann mal zum nächsten Teil des Berichts: Die Vorderachse war dran.

Wie bereits im Vorfeld erwähnt, ist es eine Drehstab-gefederte Vorderachse. Mit dieser Konstruktion war es möglich, die Achsaufhängung hinter den Holzgaskessel zu kriegen, während die Vorderräder selbst neben dem Kessel laufen.
Hier die unbehandelte Baugruppe:
Bild
Die Spurstange kam samt der Kugelköpfe natürlich neu.

Der mittlere Rohrteil hatte in seinen Aufnahmen kapitale Risse, dort wurden komplett neue Bleche eingefügt:
Bild
Bild
Die Achsschenkel konnten nach einer Säuberung unbehandelt weiter verwendet werden. Unten im Bild ist das Blattfeder-Paket zu sehen, das als Drehstab-Federung dient. Es ist in dem mittleren Rohr sowie in jedem Achsschenkel gelagert, einige Federlagen waren zerbrochen. Hier kam ein neues Paket Federbleche zum Einsatz, das auf Maß angefertigt wurde.
Bild
Die zerbrochenen Drehstab-Elemente:
Bild
Die Radnaben und die Lenklager waren in einem erstaunlich guten Zustand. Die Achsschenkelbolzen wiesen nahezu kein Spiel in ihren Buchsen auf, ein Säubern der Fettkanäle und der Einbau neuer Schmiernippel reichten hier.
Bild

einen schönen Abend noch,
Fabian
Benutzeravatar
GTfan
Moderator
Moderator
Beiträge: 3256
Registriert: 17.04.2009, 13:45

Re: Ein Phoenix mit der Asche - MIAG SH40 Holzgas

Beitragvon GTfan » 22.10.2015, 18:37

moin moin,

ein bisschen Kleinkram zwischendurch:

Es sollten natürlich wieder Winker an das Fahrzeug, so wie im Prospekt auf der ersten Seite dieses Themas ersichtlich. Ich hatte recht schnell passende Winker gefunden, sie zerlegt, gereinigt und anschließend auf Funktion überprüft. Alles funktionierte wie gewünscht. Lediglich der StVZO-kompatible Umbau der Winker hin zu blinkenden Soffiten musste noch erfolgen.
Mit 3,5 A klappen die Winker gerade mal ca. 45° hoch, man sollte also mehr als einen Klingeldraht zur Verkabelung nehmen!
Bild

Bild

Das Bild zeigt eine neue und eine alte Radnabenkappe mit MIAG-Schriftzug. Die alte Kappe ist aus Blech, die neue aus Alu-Guss, die ein anderer MIAG-Besitzer vor einigen Jahren mal nachfertigen lassen hat. Ein einziges Exemplar hatte er noch liegen. Glück gehabt!
Rechts ist der Lagerbolzen, der die beiden Rahmenteile des MIAG zusammen hält und die Hinterachsfederung führt. Er war lediglich minimal eingelaufen, wurde trotzdem durch die Neuanfertigung links im Bild ersetzt. Eine neue Gummi-Lagerbuchse für eben diese Verbindungsstelle war in originalen Maßen erstaunlicherweise auch aufzutreiben.
Bild
An beiden Hinterachsen fanden sich übereinstimmende Farbspuren, jeweils an Stellen ohne Tageslicht. Eine überlebende, zu sehr großen Teilen originale Maschine im Zweitbesitz wurde ebenfalls dunkelgrün restauriert. Auch hier waren entsprechende Farbreste vorhanden, auch kennt der heutige Besitzer die Maschine seit Jahrzehnten und konnte die Originalfarbe somit überliefern. Diese Maschine hat letztlich auch für die Kotflügel Maß gestanden, vielen Dank an den Besitzer!
Die Frage der Originalfarbe ist somit auch geklärt, wir haben uns für RAL 6010 entschieden:
Bild

mfG
Fabian

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste