Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Shockwave » 29.11.2017, 16:02

Bulldoghof hat geschrieben:Hendrik, Du Obertroll, schraub mal langsam wieder an Deinem Row Crop weiter, dass der mal balde fertig wird. Wie lange brauchst Du für so ein bisschen Trecker eigentlich? Der andere Gammel der da im Hintergrund steht will auch noch fertig gestellt werden... Junge, Junge....

Na endlich Hendrik :mrgreen: :mrgreen:
----------------Scherz auf Seite---------------------------------------

Ein schön dokumentierter Fortschritt und ein interessanter Blick ins Innenleben des Amerikaners. Ich freu mich schon auf die erste Gesamterscheinung, begleitet vom Sportwagensound :wink:
Gruß, Falko
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 29.11.2017, 17:20

:D :D :D :lol: :lol: :lol:
Ja, ich hätte viel mehr Zeit für den Farmall, wenn ich nicht andauernd unseren beinharten Rohölzünder-Forentroll hier wieder rausschmeissen müsste. :roll: :lol:

Gruß, Hendrik
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 10.01.2018, 15:00

Moin... und allen noch ein frohes neues Jahr!
Der Plan für 2018 steht: in diesem Jahr soll der 1943er Farmall H nach vielen Jahren Standzeit seine ersten Töne von sich geben und aus eigener Kraft aus der Werkstatt fahren. Diverse Projekte warten darauf, instand gesetzt zu werden. Mein Hanomag R22, der 1947er John Deere D und ein 1946er Fordson Major... alle drängen darauf, wiederbelebt zu werden.

Also, weiter ging's. Zunächst mit der Wasserpumpe. Ich hätte natürlich auch den Zylinderkopf montieren können, der ja bereitlag. Ich zog es jedoch vor, als erstes die Wasserpumpe zu überholen und zu montieren, da dies nach der Montage des Zylinderkopfes schwierig hätte werden können.

Bild
Und da liegt sie auf der Werkbank, in ihre Einzelteile zerlegt. Die Bauart der Wasserpumpe ist einerseits recht einfach und servicefreundlich, anderseits wirkt sie aufgrund ihres "Flügelradwellenvorspannungssytems" ziemlich ungewöhnlich.

Das dicke "Rohr", welches fest mit dem Pumpengehäuse verbunden und oben auf dem Bild gut zu sehen ist, trägt mittels zweier handeslüblicher Kugellager den gusseisernen Ventilatorträger, der gleichzeitig als eine der beiden Hälften der verstellbaren Riemenscheibe dient. Neue Kugellager hatte ich mir bereits im Vorfeld mittels der IH-Ersatzteilnummern besorgt.

Bild
Diese beiden Stifte sitzen stirnseitig im Riemenscheibenkörper und dienen als Mitnehmer für die Flügelradwelle. Wie man sehen kann, haben die beiden Mitnehmer schon so einige Betriebsstunden hinter sich.

Bild
Ich schweisste die verschlissenen Stellen auf und drehte sie aufs Sollmaß runter.

Nach einer eingehenden Reinigung konnte ich nun die Wasserpumpe wieder zusammensetzen. Ich brauchte lediglich noch einen neuen Simmerring, der den Schmierfettinhalt im Riemenscheibenkörper hält. Das war jedoch eine blöde Geschichte, denn diesen einzelnen Simmering hätte ich für teures Geld in den USA bestellen müssen. Bei den alternativen Lieferanten in Good Old Europe war dieser vermaledeite Simmerring nicht lieferbar.
Ich beschloss daher, an dieser Stelle einen annähernd passenden Simmerring mit metrischen Maßen einzusetzen.

Bild
Hierzu fertigte ich eine Reduzierhülse aus Messing an, die fortan dem metrischen Simmering entsprechenden Halt bieten sollte.

Bild
Zwei tiefgefrorene Kugellager fielen wie von selbst ins Gehäuse...

Bild
...und wurden, gut gefettet, vom neuen Simmerring verschlossen.

Bild
Hier die nun (fast) vollständig wieder zusammengesetzte Wasserpumpe. Gut zu erkennen sind die beiden überarbeiteten Mitnehmerstifte sowie die Flügelradwelle in der Mitte, die mittels Stopfpackung abgedichtet wird. Nun fehlte nur noch die kraftschlüssige Verbindung der Mitnehmerstifte mit der Welle.
Auf dem obigen Bild kann man eine Sechskantschraube mit einem Punkt auf dem Schraubenkopf erkennen. IH hat damals auch sämtliche Schrauben selbst hergestellt- der Punkt auf dem Schraubenkopf ist das typische Merkmal für die IH-Schrauben.

Bild
Hier nun das letzte und entscheidende Teil. Diese "Mitnehmerklemmbrücke", wie ich sie jetzt einfach mal nenne, verbindet die Riemenscheibe mit der Flügelradwelle. Die beiden Druckfedern sorgen dafür, dass das Flügelrad auf der Rückseite der Pumpe stets ans Wasserpumpengehäuse gezogen wird.

Nun konnte der Zylinderkopf montiert werden.

Gruß, Hendrik
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 14.02.2018, 14:57

Moin zusammen,

hier nun die Bilder der Zylinderkopfmontage. Der gesamte Neuaufbau des Farmalls zieht sich wie Kaugummi, da bin ich über jeden noch so kleinen Fortschritt froh. Die Montage des Zylinderkopfes ist da denn schon ein "Meilenstein".

Bild
Die Gewinde der Stehbolzen bestrich ich zur Abdichtung gegen das Kühlwasser mit Gewindedichtmittel bzw. Hochtemperatur-Fett.

Und nun kam mein Lieblingswerkzeug zum Einsatz:
Bild
...der Stehbolzenausdreher. Ebenso zum Eindrehen allerbestens geeignet. Mit dem ein- und ausdrehen mittels zweier gekonterter Muttern konnte ich mich irgendwie noch nie anfreunden.

Bild
Eine neue Kopfdichtung... auch diese ist problemlos diesseits und jenseits des Atlantiks erhältlich.

Bild
Nu hat er seinen Kopf wieder. Alles wieder wie neu. Auf dem Bild ist auch das gereinigte Thermostatgehäuse zu sehen. Der bzw. das Thermostat ist noch der originale, den ich zuvor auf Funktion, will heissen in heissem Wasser, getestet habe.

Die ersten Anbauteile wanderten zurück an den Motor. So zum Beispiel das Ölfiltergehäuse, welches man oben bereits erkennen kann. Hier nochmal zerlegt im ungereinigtem Zustand, noch mit dem alten Filter:
Bild
Wie man sieht, nix besonderes. Alles einfach, robust und servicefreundlich.

Bild
Neue Dichtungen, ein neues Filterelement, fertig für den ersten Probelauf! :roll: :lol:

Bild
Als nächstes: Intensivreinigung der Kipphebelwelle. Die Kipphebel wiesen keine merklichen Einlaufspuren oder Spiel auf der Welle auf. Nach der Reinigung konnte ich sie ohne Bedenken montieren.

Bild
Betrachtung des Tagwerks! Kipphebelwelle montiert, ebenso natürlich die (gerichteten) Stößelstangen. Ventilspiel eingestellt. Wasserpumpe montiert, wie auch das komplizierte Kurbelgehäuseentlüftungssystem. Dabei handelt es sich um eine mehrteilige Rohrleitung, die oben am Drehzahlreglergehäuse beginnt, durch und über den Zylinderkopf geführt wird (dabei mitgerissenes Öl auf die Kipphebel abtropfen lässt) und schliesslich im Luftfilter endet. Oben im Bild kann man diese Rohrleitung gut erkennen.

Bild
Als nächstes erhält der Motor dann seine weiteren Anbauteile zurück.

Gruß, Hendrik
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Shockwave » 14.02.2018, 15:36

Ich hatte schon Entzugserscheinungen...... :wink:
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 14.02.2018, 16:25

:lol: :lol: Tja, dabei weisst du doch genau, was einen schnellen Fortschritt verhindert... es kommt halt immer was dazwischen!

Sowas zum Beispiel...
Bild

..oder sowas...
Bild

Irgendwas ist halt immer!

Gruß, Hendrik
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 02.04.2018, 18:25

Moin,
Zum Ausklang der Osterfeiertage nehme ich mir mal ein wenig Zeit für ein paar Bilder des Farmall-Neuaufbaus.

Zunächst hier die beiden Halbrahmenelemente, welche den Vorderachslagerbock mit dem Getriebegehäuse verbinden und gleichzeitig den Motor tragen:
Bild
Die beiden Profile befanden sich in gutem Zustand. Nichts verbogen, durchgerostet oder gar gerissen.

Bild
Logisch, dass aus den Ecken ein Haufen verkrustete Schmiere und Dreck herauszukratzen war.

Bild
Ich fand lediglich eine abgerissene Schraube vor, welche ich ausbohrte. Das zöllige Gewinde schnitt ich nach.

Bild
Gereinigt und bereits mit Leinöl behandelt steckte ich die beiden Rahmenprofile an den Schlepperrumpf. Nur lose, da später ja noch der schwere Vorderachslagerbock eingefädelt werden wollte.
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 02.04.2018, 19:47

Als nächstes kam der Vergaser dran:
Bild
Wie einige Seiten früher schon erwähnt, ist der Steigstromvergaser ein IH-Produkt. Typisch für alte Vorkriegs-Amis ist das Gehäuse aus Gußeisen. Da der Vergaser stets ein häufiger Fehlerquell bei alten Motoren ist, hatte ich mir im Vorfeld bereits ein vollumfängliches Überholkit bei Steiner in den USA bestellt. Ein solches Kit enthält sämtliche Teile, welche im Vergaser verbaut sind.

Bild
Das Männerpuzzle konnte beginnen... zunächst jedoch, und das ist das wichtigste bei der Aufarbeitung alter Schleppervergaser, zerlegte ich den Vergaser und kontrollierte sämtliche Kanäle innerhalb des Vergaserkorpus auf Durchgängigkeit. Häufig sitzen diese kleinen Kanäle mit steinharten Ablagerungen zu, wodurch kein gleichmäßiger Motorlauf möglich ist. Dieser IH-Vergaser ist sehr simpel aufgebaut, die Reinigung des Inneren ging somit recht schnell vonstatten. Anders ist das bei den Marvel-Schebler-Vergasern der alten John Deere-Zweizylinder. Bei denen müssen die Kanäle stets mit speziellen Bohrern freigebohrt werden, wenn man später eine gute Laufkulter haben möchte.

Bild
Hier das gründlich gereinigte Vergaserunterteil mit integrierter Schmimmerkammer. Alle alten und neuen Teile habe ich hier vor der Montage verglichen und bereitgelegt. Zu erkennen sind die Chokeklappe mit -welle, Hauptdüse mit separater Düsennadel, Ablassschraube sowie die Leerlauf-Düse.

Bild
Das Oberteil mit den dazugehörigen (Neu-)teilen: Schwimmer, Nadelventil, Drosselklappe mit -welle, Nebenluftdüse sowie Standgas-Anschlagschraube für die Drossekllappenwelle. Die Montage konnte beginnen.

Bild
Blick auf die Chokeklappe des Vergasers. Ganz hinten ist die neue Hauptdüse zu erkennen.

Bild
Das ist die Verbindungsstelle zwischen Drosselklappenwelle und Reglerwelle. Die neue Anschlagschraube für die Standgaseinstellung ist gut erkennbar. Ich habe sie nach Werksangaben vor-eingestellt.

Bild
Der einbaufertige, mit Leinöl behandelte Vergaser von unten...

Bild
...und von links. Sieht gut aus. Da nun nur noch das Gehäuse original ist, kann der Vergaser nun durchaus als Neuteil bezeichnet werden. Ob der Farmall damit auch gut läuft, bleibt abzuwarten.

Schönen Abend Euch allen und

Gruß, Hendrik
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 08.07.2018, 21:10

Moin,

drei Monate ist das letzte Update nun schon her... da wird's Zeit für neue Bilder, wenngleich die Fortschritte am Farmall tatsächlich wirklich nur klein sind.

Bild
Hier der montierte Krümmer mit dem überholten Vergaser. Wie man gut erkennen kann, wird die Drosselklappe des Vergasers über eine in einem Schutzrohr laufende Welle gesteuert. Bei der Montage des Vergasers ist es ein wenig knifflig, diese Welle in das Gegenstück am Vergaser einzufädeln. Da man im montierten Zustand die Drosselklappe nicht sehen kann, wird mir der erste Startversuch sagen, ob die Welle in die Drosselklappenklaue greift.

Bild
Auch auf der rechten Motorseite ging's ein wenig weiter. Ich fertigte obligatorisch eine neue Zündkabelgarnitur an. Unten auf dem Bild ist eines der originalen Zündkabel mit dem typischen Vorkriegs-US-Kerzenstecker zu sehen. Originalität hin oder her... obwohl sie heute noch erhältlich sind, wollte ich solche Kerzenstecker nicht verbauen, allein schon aus Sicherheitsgründen. Ich wählte bewährte Standardware: Universal-Kerzenstecker von NGK, im Bild oben. Als Zündkabel orderte ich welche aus Silikon. Diese haben den Vorteil, dass sie mit der Zeit nicht aushärten.

Bild
Na, sieht doch ganz chic aus.

Bild
Als nächstes landete der Luftfilter auf meiner Werkbank. Außer einer gründlichen Reinigung innen und aussen gab es nicht viel zu tun...

Bild
...abgesehen von dieser ausgebrochenen Rohrverschraubung. In diese mündet die Saugleitung der Kurbelgehäuseentlüftung. Ursprünglich ist sie hart in das Ansaugrohr eingelötet, was jedoch die ständigen Motorvibrationen nicht sonderlich gut verträgt. Eine bekannte Schwachstelle bei den alten Farmall H. Ich habe diese Verschraubung hier nicht wieder eingelötet, sondern mit einem leistungsstarken, transparenten 2K-Kleber eingeklebt. Bombenfest. Ob meine Klebeverbindung den Langzeittest besteht, wird sich zeigen.

Gruß, Hendrik
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