Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Alles über den Wiederaufbau und die Restaurierung eures Schmuckstücks.

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Hinnerk
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Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 06.07.2016, 13:25

Moin zusammen,

nachdem die Fertigstellung des Oliver Super 88 schon eine ganze Weile zurückliegt und der Olli ganz wunderbar läuft, soll es nun an des nächste Projekt gehen.
Wie der Titel schon verrät, handelt es sich hierbei um einen IHC Farmall H, also wieder ein klassischer US-Amerikanischer Schlepper.

Kurze Info: Der Farmall H wurde von 1939 bis 1953 in mehr als 391.000 Exemplaren gebaut. Bis heute ist er mitsamt seines größeren Bruders "M" einer der am meisten gebauten IHC. Der Farmall H war immer ein RowCrop-Schlepper, zudem gab es ihn ausschließlich mit Vergasermotoren.

Und so wurde der Farmall H seinerzeit beworben:
Bild
Quelle: http://www.tractorshed.com/cgi-bin/gallery/gallery_view.cgi?w=oldads

Von den diversen anderen IH-Schleppern, die mit dem C-152-Motor ausgestattet wurden (HV, I-4, O-4, W-4) soll hier zunächst nicht die Rede sein, wenngleich diese Schleppertypen nicht minder interessant sind.

Tip-top-restauriert sieht ein Farmall H so aus:
Bild
Quelle: http://www.tractorshed.com/cgi-bin/gallery/gallery_view.cgi?w=tphotos

Was mich an diesem Typ so reizt, ist der wunderbar klassische Vergasermotor verpackt in ein "stromlinienförmiges" Blechkleid (1939, wohlgemerkt!), gepaart mit dem typischen, urigen Erscheinungsbild der amerikanischen RowCrop-Traktoren. Da ein US-Farmall in meiner Sammlung noch fehlte und die Teileversorgung für die alten Farmalls auf beiden Seiten des großen Teiches vorzüglich ist, fiel die Wahl auf diese Baureihe.

Im Rahmen der John-Deere-Sonderausstellung des 2014er Feldtages in Nordhorn kam ich mit Arjan van Lenthe ins Gespräch, welches im Kauf zweier US-Schlepper resultierte. Einer der beiden Schlepper war der Farmall H, dessen Neuaufbau ich hier in gewohnter Weise schildern möchte.

Und das ist nun das Objekt, um das sich in meiner Werkstatt nun alles dreht (hier noch bei Van Lenthe in den Niederlanden):
Bild
Bild

Gegen den Minneapolis (rechts) oder den Hart-Parr (links) hätte ich auch nichts gehabt, aber der Farmall passt besser in meine Sammlung und schont den Geldbeutel mehr als die beiden Urgesteine. Was mich zudem noch von Anfang an an diesem, 1943 gebauten, Farmall faszinierte: der super erhaltene Originallack! Dieser Schlepper sieht nach über 70 Jahren noch so aus, wie andere Schlepper nach 20.

Der soll es also sein...

Gruß, Hendrik
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schraubernorman
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon schraubernorman » 06.07.2016, 18:32

Da wird man ja neidisch, bei so einem seltenen 6schönem Exemplar

Gruss Norman
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Trecker D
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Trecker D » 06.07.2016, 20:50

Moin!
Bei mir ist der Funke zu den Amis noch nicht übergesprungen. Ja, einen Johnny Popper hatte ich mal für einen Freund in grauer Vorzeit zum Laufen gebracht. Und doch habe ich ein schlechtes Gefühl bei den zunehmend mehr importierten alten US-Schleppern. Immerhin geben sie der Gesellschaft auf Veranstaltungen ein falsches Bild von der Landwirtschaft in unserem Land. Da braucht keiner mehr die Handbremse anziehen - ist eh schon zu spät.

Jetzt bin ich aber echt gespannt! Du musst doch echt Gewissensbisse haben. Ich meine Du musst echt ins Grübeln kommen, wenn Du den herrichtest. Technisch überholen - ja sehr gut! Die "Patina" erhalten noch besser! Aber der kleine Teufel auf meiner Schulter sagt mir, der wird "besser als neu" verarbeitet.... Deine Kompetenz stelle ich bestimmt nicht in Frage. Die bisherigen Berichte Deiner Projekte sprechen für sich. Aber hier? --- echt spannend!

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und und und...
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon GTfan » 06.07.2016, 23:26

Trecker D hat geschrieben: Technisch überholen - ja sehr gut! Die "Patina" erhalten noch besser! Aber der kleine Teufel auf meiner Schulter sagt mir, der wird "besser als neu" verarbeitet.... Deine Kompetenz stelle ich bestimmt nicht in Frage. Die bisherigen Berichte Deiner Projekte sprechen für sich. Aber hier? --- echt spannend!


moin Dirk,

ich bin mir ziemlich sicher, dass du da keine Sorgen zu haben brauchst! ;)

Besser als neu wird er höchstens von innen. :pfeif:

mfG
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Petrolhead24 » 07.07.2016, 00:16

Hallo!

Trecker D hat geschrieben:der kleine Teufel auf meiner Schulter sagt mir, der wird "besser als neu" verarbeitet....

Da wäre ich mir nicht so sicher, ich glaube eher dass Hendrik die Patina erhalten wird.
Freu mich schon auf den Bericht!

Übrigens gibts auf Youtube einen sehenswerten Werbefilm von IH aus den 30er Jahren in dem die Farmalls M, H und A beworben werden:
(beginnt bei ca. 20 sek)
IH Werbefilm 30er

Schöne Grüße
Andi
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 07.07.2016, 12:17

Moin,

Trecker D hat geschrieben: Und doch habe ich ein schlechtes Gefühl bei den zunehmend mehr importierten alten US-Schleppern. Immerhin geben sie der Gesellschaft auf Veranstaltungen ein falsches Bild von der Landwirtschaft in unserem Land. Da braucht keiner mehr die Handbremse anziehen - ist eh schon zu spät.

Ich kenne Deine Ansichten, Dirk... bitte bitte, keine Grundsatzdiskussion an dieser Stelle. Gerne bei einer Tasse Bier in entsprechender Umgebung- aber nicht hier.

Trecker D hat geschrieben:Jetzt bin ich aber echt gespannt! Du musst doch echt Gewissensbisse haben. Ich meine Du musst echt ins Grübeln kommen, wenn Du den herrichtest. Technisch überholen - ja sehr gut! Die "Patina" erhalten noch besser! Aber der kleine Teufel auf meiner Schulter sagt mir, der wird "besser als neu" verarbeitet.... Deine Kompetenz stelle ich bestimmt nicht in Frage. Die bisherigen Berichte Deiner Projekte sprechen für sich. Aber hier? --- echt spannend!

Wie Fabian und Andi schon schrieben: technisch bekommt der Farmall alles, was er benötigt, seine Patina bleibt ihm selbstverständlich erhalten. Deshalb fiel die Wahl ja auf diesen einen Farmall H. Jeder, der meine Maschinen kennt, weiß, dass ich einen optisch so schön erhaltenen Schlepper niemals lackieren würde.

Gruß, Hendrik
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 07.07.2016, 12:49

Es geht weiter mit der Begutachtung des neuen Spielzeuges.
Die folgenden Bilder entstanden, als der Schlepper noch bei A. van Lenthe stand. Vor ca. 4-5 Jahren wurde der Schlepper importiert. Bekannt ist, dass der Schlepper auf einer Farm in der Nähe von Clarksville, Tennessee sein Arbeitsleben verbrachte.

Bild
Die linke Seite des Motors, von IH C-152 genannt. 152 steht für 152 cubic inches Hubraum, also 2,5 Liter. Er leistet ca. 25 PS an der Riemenscheibe bei 1.650 U/min. Links im Bild der typische außenliegende Drehzahlregler, rechts daneben gut sichtbar der von IH selbst hergestellte Vergaser.
Wie man hier schon gut sehen kann: Die Motorhaube ist ohne nenneswerten Rost, Macken, Dellen.

Bild
Die andere Seite. Links das Ölfiltergehäuse, rechts der Zündverteiler. Da dieser Farmall H als Sonderausstattung mit einer kompletten Lichtanlage geordert wurde, wurde er werksseitig mit Batteriezündung versehen. Serienmäßig hatte der Farmall H einen Magnetzünder, der, wie auch der oben zu sehende Zündverteiler, von IH selbst hergestellt wurde. Sogar die Zündspule ist ein IH-Produkt.

Bild
Ein Blick unter den Tank in Fahrtrichtung. Kein besonderen Erkenntnisse an dieser Stelle. Auffällig ist jedoch, dass sogar der Batteriekasten noch vorhanden ist. Lediglich der Deckel fehlt.

Bild
Wasserpumpe, Kühler, Öleinfüllstutzen. Auch hier nichts ungewöhnliches, Kühler scheint noch gut beisammen zu sein.

Mal sehen, was es sonst noch zu entdecken gibt...

Gruß, Hendrik
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 13.07.2016, 20:17

Blick auf den Platz des Fahrers:

Bild
Auf dem Bild kann man gleich vier Sonderaustattungen erkennen:
- el. Lichtanlage inkl. Anlasser
- Riemenscheibe (hier nicht montiert, aber vorhanden)
- Hydraulikanlage "Lift-All"
- Komfortsitz von Monroe ("Hydraulic Seat Attachment")

In den ersten Jahren wurden die Farmall H serienmäßig mit Eisenrädern ausgeliefert, jedoch noch vor dem zweiten Weltkrieg war Luftbereifung Standardausrüstung. Da aber auch die USA während des zweiten Weltkrieges mit Materialknappheit zu zu schaffen hatten, wurden alle Farmalls zwischen 1941 und 1945 wieder mit Eisenrädern ausgeliefert. So auch dieser Farmall, der dann erst nach Ende des Krieges die Gummibereifung erhielt.

Die Scheinwerfer sind noch intakt, alle Kabel sind noch die ersten... schöne alte (und brüchige) Kabel mit Textilummantelung. Die Schaltung geht, alle Hebel lassen sich bewegen, die Lenkung nur sehr wenig Spiel. Sieht gut aus!

Bild
Dieser Farmall hat, genauso wie mein John Deere B, in seinem Leben noch nie Kotflügel besessen. Da ich aber vorhabe, den Schlepper ganz regulär für den Straßenverkehr zuzulassen, wird er wohl welche bekommen. Originale, versteht sich.
Schön ist, dass sogar die originale "Plow Lamp", der Arbeitsscheinwerfer, noch vorhanden ist.
Wie es sich für einen echten Ami gehört, hat der Farmall kein Fußgas, sondern nur einen Handgashebel. Dieser sitzt unter dem grauen "Deckel" oben an der Lenksäule.

Hier nochmal im Detail der Komfortsitz:
Bild
Er wurde vom heute noch existierenden Stoßdämpferhersteller Monroe produziert und für eine Vielzahl amerikanischer Schlepper als Zubhör angeboten. Manche Hersteller, wie z.B. IH, übernahmen ihn direkt in die Sonderaustattungsliste. Den gleichen Sitz hat z.B. auch mein 1941er John Deere B (lediglich der Stoßdämpfer sitzt weiter hinten):
Bild

Der Sitz des Farmalls ist ebenfalls noch gängig, wenngleich mit reichlich Spiel in den Lagerstellen, da alle Lagergummis nach 70 Jahren den Geist aufgeben haben und größtenteils gar nicht mehr vorhanden sind.

So, nun ist alles geklärt, die beiden Schlepper kommen nun ins Ammerland. Beide sind übrigens eine Premiere für mich: beide Schlepper laufen nicht... ich konnte also keine Probefahrt machen. Das macht die ganze Sache noch spannender!

Gruß, Hendrik
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Schraubergottchen » 14.07.2016, 07:41

Hallo Hendrik,

schönes Gerät und toller Zustand natürlich!
Ich will ja nicht drängeln, aber war zum Kaufzeitpunkt klar, wieso er nicht läuft, oder hast du ganz klassisch die Katze im Sack gekauft?
Was ist denn das kleine Ding mit der Kurbel, das oben neben dem Farmall steht? Und haben die Langlöcher im Rahmen irgendeinen Sinn?

Ich bin die Tage über diese tolle (Eigenbau-/Umbau-)Kabine auf dem H gestolpert:
https://www.instagram.com/p/BHwDMiEj5My/
Macht den Schlepper gleich 20 Jahre jünger :D
Gruß
Maik

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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon GTfan » 15.07.2016, 08:51

Schraubergottchen hat geschrieben:Was ist denn das kleine Ding mit der Kurbel, das oben neben dem Farmall steht?


Auf den ersten Bildern ist ein Schleifgerät für Mähbalken-Messer zu sehen. :wink:
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 17.07.2016, 20:21

Hallo Maik,

natürlich war der Kauf dieser zwei nicht fahrbereiten Schlepper der klassische Kauf der Katze(n) im Sack, aber die Vergangheit hat mich gelehrt, dass alles irgendwie "die Katze im Sack" ist. Auch der wie neu laufende Schlepper mit frischem Tüff kann einen innen gerissenen Motorblock haben oder einen Haarriss in der Steckachse. Insofern... sch%&$§ drauf. Mein Oliver und der große Hanomag liefen auch, als ich sie bekam. Und waren innerlich doch Kernschrott.
Da ich beide Schlepper komplett zerlegt und neu aufgebaut habe, kann mich bei diesen beiden Alteisen nicht viel schocken.
Für beiden Typen sind (gebrauchte) Ersatzteile in den USA und teilweise in Europa recht problemlos erhältlich. Das erleichterte mir die Entscheidung.
Wichtig war mir jedoch, dass beide Motoren nicht fest waren und sich zumindest die Kurbelwelle drehen ließ.

Die Langlöcher im Rahmen des Farmall H haben durchaus ihren Sinn, denn sie sind gewiisermaßen wie viele andere Details dieses Schleppers Bestandteil des "Farmall"-Prinzips. Der Schlepper sollte so universell einsetzbar wie möglich sein. Daher z.B. diese Langlöcher, an denen ein Frontlader (jawohl, 1939!), verschiedene Hackgeräte, Kultivatoren, Spritzgeräte, Maiskolbenpflücker usw. montiert werden konnten.

Der von dir verlinkte Farmall mit der sehr typischen amerikianschen Selbstbaukabine ist natürlich ziemlich skurril, ist aber ein sehr gutes Beispiel dafür, dass die Farmall H (und M) sowie die Pendants von John Deere (B und A) noch heute gern genutzte Arbeitstiere in der Neberwerbslandwirtschaft sind. Gerade die Farmall H und M genießen bis heute in den USA einen unglaublich guten Ruf.

Gruß, Hendrik
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 17.07.2016, 20:44

Also los, her mit den Kisten:

Bild
Ein weniger auffäliges Gespann hätte es sicherlich auch getan... aber was soll's.

Bild
Ein riesiger Haufen Arbeit ist heil angekommen. Das abladen kann beginnen...

Bild
Mangels Zugmaul war das abladen recht knifflig. Dank Hoftrac, großem MF 6160 und einem nicht zu kleinen Manitou-Teleskoplader ging alles bruch- und unfallfrei vonstatten.

Bild
Für einen unrestaurierten Schlepper mit 71 Jahren auf dem Buckel sieht der Farmall doch noch ganz manierlich aus. Wer sich nach einem unrestaurierten Farmall umschaut, wird feststellen, dass in der Regel das kleine Füllstück unten im Kühlergrill fehlt. Bei meinem ist es erfreulicherweise noch vorhanden.

Also gut... da ich dachte, dass die Aufarbeitung des Farmalls wegen seines guten ersten Eindrucks recht schnell erledigt sein wird, durfte der John Deere noch ein wenig weiterschlafen.
Los geht's!

Gruß, Hendrik
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 24.07.2016, 20:52

Moin,

so, der Farmall steht in der Werkstatt, die große Inspektion kann in Angriff genomen werden. Da der Schlepper auch auf den zweiten Blick einen sehr guten Eindruck macht, gehe ich von einem recht kurzen Werkstattaufenthalt aus. Der Farmall ist komplett, alles ist gängig... da sollte doch ein Wechsel der Betriebsflüssigkeiten und "tune up kit" für die Zündanlage inklusiv vier neuer Zündkerzen genügen. Ach ja, Ventilspiel könnte ich ja auch noch schnell prüfen.

Schnell mal aufgebockt, den Ami:
Bild
... und die Motorhaube abgenommen. Gleichzeitig Motoröl ablassen. Kühlwasser braucht nicht... es war keins mehr drin. Nun gut, das minimiert die Wahrscheinlichkeit eines Frostschadens.

Während unten das Öl tropfte, nahm ich oben den Ventildeckel ab, um zu sehen, was Sache ist. Hier sah alles gut aus... nein, doch nicht! :o Zwei Stößelstangen hatten die Form eines Fragezeichens. Ach du sch...e, das geht ja gut los. Die Ursache war schnell klar. Zwei Auslassventile waren in geöffneter Stellung in ihren Führungen durch Wassereintritt durch den Auspuff festgerostet.
Beim durchdrehen des Motors (oder einem Startversuch vor langer Zeit) haben (glücklicherweise) die Stößelstangen nachgegeben und sind verbogen.

Ein einfache Richten der Stößelstangen wäre in meinen Augen Pfusch gewesen, da ich nicht wußte, wie die Zylinder aussahen. Ein gebranntes Kind scheut bekanntlich das Feuer.

OK, es half nichts... auseinander die Kiste. Die Planung war zwar ganz anders, aber wenn ich mit dem Spielzeug Spaß haben will, muß die Technik vernünftig sein. Manchmal ist man das Opfer seiner Ansprüche.

Bild
Und zack... Lenkstange abmontiert, Vorderradträger ausgebaut, Kühler und Wasserpumpe ebenfalls. Dann der Zylinderkopf.

Bild
Und wieder zeigte sich das typisch amerkanische Konstruktionsmerkmal, die Einfachheit und Servicefreundlichkeit des Aufbaues. Alle Komponenten sind leicht zugänglich und können auch auf dem Feld demontierts und ggfs. getauscht werden. Nicht zuletzt deswegen wurden Schlepper in Amerika sehr häufig nach dem Halbrahmenprinzip konstruiert.

Die nächsten Schritte: zerlegen des Motors und Blick ins Getriebe (um weitere böse Überraschungen zu vermeiden...)

Gruß, Hendrik
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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 28.07.2016, 12:36

Moin,

das zerlegen des Farmall H ging gut und relativ problemlos voran. Die letzten verbliebenen Quadratzentimeter in meiner Werkstatt füllten sich mit roten Schlepperteilen:
Bild
Hier zu sehen sind diverse Motorenteile sowie die "Vorderachse". Hoffentlich würde ich später alles wiederfinden... :?

Bei der Zerlegung stellte ich fest, dass mein Farmall in den vergangenen 73 Jahren viel und hart arbeiten musste, wenngleich er wohl stets die notwendige Pflege und Wartung erhielt. Ich gehe davon aus, dass der Schlepper in recht trockenem Klima lief und stets unter Dach abgestellt war. Nur so ist der auf den Blechteilen noch fantastisch gut erhaltene Lack mitsamt der originalen Haubenbeschriftung erklärbar.
An dieser Stelle bin ich mir eines Fehlers bewusst geworden. Ich hatte den Farmall in die Werkstatt geschoben, um ihn nach einer großen Inspektion aus eigener Kraft wieder herauszufahren. Ich wusste aber jetzt, dass es bei einer großen Inspektion nicht bleiben würde. Viel mehr würde der Farmall der gleichen Komplettbehandlung unterzogen werden, wie damals mein Oliver Super 88. An sich kein Problem... nur hatte ich mir jetzt gerade meine Werktstatt zugestellt und damit John Deere R, Hanomag R22, Ferguson TEA und Kollegen einen Zwangsurlaub verschrieben. :x

Das gute daran: es gab nun noch einen Grund mehr, den Farmall schnell ins Leben zurück zu holen!

So denn, weiter geht's.
Um das Getriebe einer genauen Begutachtung unterziehen zu können, mussten zunächst die 38 Zoll großen Felgen sowie gußeisernen Radteller runter.
Bild
Zum Glück war hier wie gewohnt der Hoftrac griffbereit.

Bild
Die Radteller können, ganz RowCrop-typisch, stufenlos auf den Steckachsen verschoben werden.
Diese Felgenteller und die dazugehörigen Felgen mit Luftreifen sind übrigens nicht original (aber durchaus korrekt für einen Farmall H). Da dieser Farmall im Kriegsjahr 1943 gebaut wurde, fiel auch er dem Rohstoff-Sparzwang zum Opfer, mit dem auch die US-amerikanische Industrie zu kämpfen hatte. So wurden alle Farmalls zwischen 1941 und 1945 neben diversen anderen Einsparungen auch mit Eisenrädern anstelle der sonst bereits serienmäßigen Luftreifen ausgeliefert. Hierzu wurde der fünfte Gang (28 km/h!) blockiert.
Ich gehe davon aus, dass mein Farmall erst recht spät nach dem zweiten Weltkrieg seine verdienten Luftreifen erhielt. Der Lack auf den Radtellern ist im Gegensatz zum Rest des Schleppers nicht der erste. Wieso, weshalb, warum... keine Ahnung.

Nun konnte der Getriebedeckel abgehoben werden. Da dieser Deckel aber sehr groß und zudem noch massiv ist, ging auch das nur mit Hilfe des Hoftracs und einer zweiten Person, die den Deckel vorsichtig führte. Denn die Schaltgabeln sitzen bei einem Farmall H direkt am Deckel!

Der gut und gerne 70-80 kg schwere Deckel war nun sicher demontiert, sodass es nun ans 5-Gang-Getriebe gehen konnte.
Ein erster Blick nach der Öffnung:

Bild
Nun... es waren noch Zahnräder drin und irgendetwas, was vor langer Zeit mal als "Öl" eingefüllt worden war. Schon mal nicht so ganz schlecht, da hatte ich schon schlimmeres gesehen. Bei meinem Oliver stand damals das Getriebe randvoll mit Öl-Wasser-Gemisch.

Ich war recht gespannt, was mich wohl im Getriebe erwartete...

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Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Shockwave » 02.08.2016, 21:37

Exzellenter Bericht Hendrik!

:D
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