Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Alles über den Wiederaufbau und die Restaurierung eures Schmuckstücks.

Moderator: Traktorhof Team

Benutzeravatar
Hinnerk
Moderator
Moderator
Beiträge: 1657
Registriert: 17.01.2007, 17:55
Wohnort: in der Werkstatt
Kontaktdaten:

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 04.08.2016, 20:06

Hallo Falko,

Danke... es geht ja erst los. Reichlich Bildmaterial wartet darauf, gepostet zu werden. Ich hoffe, dass ich am Wochenende wieder etwas Zeit finde, hier ein paar Fortscrhitte zu zeigen.

Gruß, Hendrik
He who dies with the most toys wins!
Google Werbung
Sponsor
Registriert: Mi 18. Juni 2003, 00:00
Wohnort: Internet

Werbung

Beitragvon Google Werbung » Automatisch

Benutzeravatar
Hinnerk
Moderator
Moderator
Beiträge: 1657
Registriert: 17.01.2007, 17:55
Wohnort: in der Werkstatt
Kontaktdaten:

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 15.08.2016, 16:10

Moin,

weiter ging's mit der Begutachtung des Getriebes. Hier nochmal ein Bild des großen und massiven Getriebedeckels:
Bild
Da die Schaltgabeln direkt am Getriebedeckel sitzen und geführt werden, muss man beim Abnehmen des Deckels peinlich genau darauf achten, ihn exakt senkrecht hochzuheben- andernfalls besteht die Gefahr, die Gabeln zu verbiegen oder sogar abzubrechen.
Dank Hoftrac und zwei helfenden Händen war auch das kein Problem.

Nun konnte das Getriebeöl abgelassen werden. Nachdem ich die beiden Ablassschrauben herausgedreht hatte, staunte ich jedoch nicht schlecht... es kam nichts! Das alte Öl war tatsächlich so zähflüssig, dass es von alleine nicht durch die Öffnungen floss.
Bild
Was tun? Ich kippte 30 Liter Diesel zum teerartigen Öl im Getriebe und versuchte, alles miteinander zu vermischen, um es ein wenig flüssiger zu machen.
Ganz langsam tat sich was...
Bild
Bah... :x In Zeitlupe quoll das Öl aus der Ablassschraubenbohrung.
Mein Gott... wie lange würde das wohl dauern, die ganze Pampe da raus zu holen?
Bild

Es dauerte tatsächlich mehrere Tage, bis eine Ende bzw. der Boden des Getriebegehäuses in Sicht war.

Boden, Wände und die Zahnräder waren zwar immer noch von einer zähen, teerartigen Schicht überzogen. Aber den Rest würde ich bestimmt auch noch rausbekommen.
Bild

Das Getriebe ist übrigens ein ganz konventionelles. Fünf Vorwärts- und ein Rückwärtsgang. Höchstgeschwindigkeit 28 km/h. Bei Auslieferung mit Eisenrädern war der fünfte Gang blockiert.

Gruß, Hendrik
He who dies with the most toys wins!
Benutzeravatar
Shockwave
Moderator
Moderator
Beiträge: 1001
Registriert: 12.11.2009, 20:07
Wohnort: WW
Kontaktdaten:

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Shockwave » 15.08.2016, 21:06

Dass im Getriebe der alten Prairiehasen schwereres Öl zum Einsatz kam, ist ja klar, aber herrjeh :D

Kennst du dieses Video schon,,,,,?

https://youtu.be/I3RwMsTJD74
Sehr zeitgenössisch und spannend zu sehen, wie man mit in Arbeit stehenden, glanzlosen Maschinen damals die Vorteile des Farmalls annoncierte.
Gruß, Falko
JD X165 (2012) - JD 5055e (2011) - JD 212 (1979) - JD 110 (1966) - Energic 511 (1956) - MH Pony (1952) - JD B (1938) - JD E (1931) - JD GP (1928)
Es gilt das © für meine Bilder!
John Deere Freunde Deutschland.
Benutzeravatar
Hinnerk
Moderator
Moderator
Beiträge: 1657
Registriert: 17.01.2007, 17:55
Wohnort: in der Werkstatt
Kontaktdaten:

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 18.08.2016, 20:43

Hey Falko,

das Video ist einsame Spitze. Ich habe noch nie ein so großen Gang-Plow gesehen, wie dort am Anfang hinter dem Titan. Unglaublich!

Bei meinem Farmall ging's inzwischen in kleinen Schritten weiter... Getriebe von alter Mompe reinigen, nach wie vor.
Nach literweisem Einsatz von Benzin-Dieselgemisch kommen so langsam die Wellen und Räder zum Vorschein:

Bild

Bild

Die gute Nachricht: An den Ritzeln fehlt kein Zahn, alles ist auf dem ersten Blick unbeschädigt. Im Bodensatz fand ich keine Bruchstücke oder sonstige Metallteile, die dort nicht hingehörten.
Die schlechte Nachricht: Noch immer kleben alle Ecken, Bohrungen und Kanäle voll mit diesem fiesen Teer. Da IH dieses Getriebe mit vielen ausgeklügelten Rinnen, Kanälen und Bohrungen versah, die das umherspritzende Öl gezielt an die Lagerstellen führt, durfte ich die Reinigung nicht vernachlässigen. Hier musste jedes kleine Dreckklümpchen raus, jede Schmierbohrung freigekratzt werden, damit die Schmierung in Zukunft wieder gesichert war.

So langsam verließ mich die Lust an dieser Sch...arbeit.
He who dies with the most toys wins!
Google Werbung
Sponsor
Registriert: Mi 18. Juni 2003, 00:00
Wohnort: Internet

Werbung

Beitragvon Google Werbung » Automatisch

Benutzeravatar
Lara12
Neuling
Neuling
Beiträge: 9
Registriert: 01.08.2016, 09:34

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Lara12 » 23.08.2016, 08:54

Danke Hendrik, dass du uns so ausführlich auf dem Laufenden gehalten hast. Ist leider nicht selbstverständlich, daher 1000 Dank :D
Es war toll dich bei deinem atemberaubendem Projekt begleiten zu können und anhand deines Berichtes alle Stadtionen einer Wiederauferstehung beiwohnen zu können.
"Die Natur braucht den Menschen nicht, aber der Mensch die Natur!"
Benutzeravatar
tigerhamburg
Großbauer
Großbauer
Beiträge: 198
Registriert: 14.09.2015, 10:46
Wohnort: Das schöne Alte Land
Kontaktdaten:

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon tigerhamburg » 25.08.2016, 14:26

Moin Hendrik,
die schwarze Pampe ist zwar eine fiese ABM-Maßnahme, aber wenn das Getriebe sonst keine Schäden hat…..gibts schlimmer.
Ich habe einen Hanomag c224 mit in diesem Schlepper recht seltener Doppelkupplung an der Werkstatt stehen, dieser wurde betriebsfähig als Spieltrecker vor ca acht Jahren abgestellt, Getriebe voll mit Wasser, und mit keinem vertretbarem Aufwand zu retten.
Dann lieber schwarze Pampe.
Vermutlich werde ich Dir demnächst mal ein zwei Fragen zur Bedienung deines Farmall stellen...
Gruß Holger
Benutzeravatar
Hinnerk
Moderator
Moderator
Beiträge: 1657
Registriert: 17.01.2007, 17:55
Wohnort: in der Werkstatt
Kontaktdaten:

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 25.08.2016, 17:52

Moin Holger,

nur zu. Das Getriebe ist mittlerweile grundgereinigt, Befunde und Bilder dazu werden zeitnah gepostet.

Gruß, Hendrik
He who dies with the most toys wins!
farmerrolf
Sehr Interessierter
Sehr Interessierter
Beiträge: 72
Registriert: 22.12.2012, 20:17

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon farmerrolf » 26.08.2016, 01:58

Hallo Hinnerk!
Schöne Traktoren hast Du dir da ausgesucht. In dem Zustand sind die auch hier wenig geworden.
Die dicke Soße ist warscheinlich mal 140 Getriebe Öl gewesen. Die Getriebe sind sehr zuverlässig,und bei sehr vielen wurde das Öl nie gewechselt. Hier in Pennsylvania werden fast in jedem Dorf noch Farmall H und M gebraucht.
Gangplows, schau mal hier: https://youtu.be/vLNQyJqcE5I Gruß Farmerrolf
Benutzeravatar
Hinnerk
Moderator
Moderator
Beiträge: 1657
Registriert: 17.01.2007, 17:55
Wohnort: in der Werkstatt
Kontaktdaten:

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 26.08.2016, 16:29

Hallo Rolf,

Danke für deinen Beitrag und deine Einschätzung. Wenn man sich ein wenig mit diesen Farmalls beschäftigt und amerikanische Foren und Youtube durchforstet, bekommt sehr schnell den Eindruck, dass diese Schlepper auch heute noch einen sehr guten Ruf und einen hohen Nutzwert haben- genau, wie Du es schon schriebst.

More to follow...

Hendrik
He who dies with the most toys wins!
Benutzeravatar
Hinnerk
Moderator
Moderator
Beiträge: 1657
Registriert: 17.01.2007, 17:55
Wohnort: in der Werkstatt
Kontaktdaten:

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 30.08.2016, 20:37

Moin,

wie schon kurz angedeutet... das Getriebeinnere ist sauber. Eine so hartnäckige Schmutzschicht hatte ich noch vorher noch nie rauskratzen müssen. Am effektivsten erwies sich eine mit einem Benzin- und Dieselgemisch gefüllte Ölsprühpistole, mit 8 bar Druckluft beaufschlagt. Ausreichend Belüftung und eine Atemschutzmaske waren dabei Pflicht.

Das Ergebnis stimmt mich zufrieden:
Bild
Sehr schön: keine beschädigten Zähne oder Ausbrüche jedweder Art. Wie gewohnt alls sehr großzügig dimensioniert- für die Ewigkeit gebaut.

Bild
Auch das Schaltgetriebe zeigte sich wieder sauber. Auch hier war positiv zu vermerken, dass keine Brüche oder ähnliches vorzufinden waren.
Auf dem Bild oben kann man gut die angegossenen "Rinnen" erkennen, die das Spritzöl zu den Lagerstellen führen. Wenn hier alles verklebt und verstopft ist, ist's nicht weit her mit Schmierung!

Die genauere Begutachtung der Wellen und Räder brachte jedoch Ernüchterung:
- Kugellager der Getriebewellen wegen schlechter Schmierung rumpelig und schwergängig
- Doppelschieberad für den 4. und 5. Gang wies radiales Spiel auf.

Also: Auseinander damit und so viel wie möglich neu. Zwar wird der Farmall in Zukunft vielleicht 3 bis 5 Stunden pro Jahr gefahren. Aber ich will es gründlich und gewissenhaft instandgesetzt wissen.

Zunächst demontierte ich die Bandbremsen, da ich davon ausging, dass diese nach 73 Jahren ebenfalls jenseits von gut und böse waren.
Und so kam es dann auch:
Bild
Dejà vu: Simmerringe undicht, Bremsbeläge verölt. Alle Wellendichtringe an diesem Schlepper waren tatsächlich noch die ersten... aus Leder!

Bild
Nur die frühen Farmall H besaßen diese Bandbremsen. Später wurde dann auf das überall bekannte Prinzip der Scheibenbremse übergegangen, wie es alle deutschen Farmalls auch besaßen.

Raus mit der Zapfwelle:
Bild
Fünf Schrauben wurden gelöst, ein kräftiger Ruck... und draußen war sie. Da die Zapfwelle eine Sonderausstattung war, wurde sie so konstruiert, dass sie mit wenigen Handgriffen nachgerüstet werden konnte. Mehr zu dieser Zapfwelle später.

Um möglichst bequem an die vorderen Getriebelager und Wellendichtringe zu kommen, wollte ich den Motor vom Getriebe trennen.
Mittels Hoftrac war das schnell erledigt.

Voilà:
Bild
Das Ausrücklager ist ebenfalls schrottreif, soviel konnte von hier aus schon gesagt werden.
Im Hintergrund, der würfelförmige Klotz, ist die Hydraulic ("Lift-All") zu sehen. Quasi ein doppeltwirkendes Steuerventil, welches von der Getriebe-Rücklaufwelle angetrieben wird und mitsamt Pumpe in einem Tank integriert ist. Auch das war eine Sonderausstattung, welche mit wenig Aufwand nachgerüstet werden konnte.

Und so sieht's zwischen "Lift-All"-Hydraulik und Getriebe aus:
Bild
Oben kann man die Getriebeeingangswelle erkennen, die von der Kupplung kommt. Unten die Rücklaufwelle, die die Hydraulik antreibt.
Alle Lager waren kaputt, die Lederdichtringe seit langem undicht- wie man sehen kann.

Viel Arbeit wartet... :| :roll:

Gruß, Hendrik
He who dies with the most toys wins!
Benutzeravatar
squiddy
Monteur
Monteur
Beiträge: 675
Registriert: 26.09.2012, 09:41
Wohnort: Bayern

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon squiddy » 31.08.2016, 10:03

Immerhin war das Öl zum Schluss so dick, dass wenigstens ein Teil davon im Getriebe blieb weil es nicht an den "dekekten" Dichtringen vorbei passte! :o :D
Benutzeravatar
Hinnerk
Moderator
Moderator
Beiträge: 1657
Registriert: 17.01.2007, 17:55
Wohnort: in der Werkstatt
Kontaktdaten:

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 05.09.2016, 17:53

Moin,

Es sollte nun mit dem Zerlegen des Getriebes weitergehen. Damit ich mich auf konstruktive Besonderheiten vorbereiten konnte und schnell und gezielt passende Teile organisieren konnte, deckte ich mich wie immer mit ausreichend modellspezifischer Literatur ein:

Bild
Direkt in den USA bestellt, zehn Tage später war das Paket da. Nun konnte nichts mehr schiefgehen.

Die Bedienungsanleitung ("Operators Manual") ist im Vergleich zu manch anderen Anleitungen sehr "lesefreundlich" und mit einer nicht zu kleinen Prise Humor verfasst. Hier ein kleines Beispiel:
Bild

Also, raus mit der "Lift-All"-Hydraulik. Schön auf die Füße aufpassen, da sauschwer das Teil:
Bild
Wie schon geschrieben, dieser Block beinhaltet ein komplettes Hydrauliksystem (1939, wohlgemerkt!): Tank, Ölpumpe, Steuerventil... alles in einer Einheit zusammengefasst.

Danach hatte ich einen freien Blick auf die anstehende Arbeit:
Bild
... und ausreichend Platz, um Lagerdeckel und Getriebewellen ausbauen zu können.

Bild
Das klappte ganz wunderbar, die Teile waren von außen wie innen ja gut geschmiert :| .

Alles schön ordentlich beiseite legen:
Bild
...und nach dem Maßnehmen einen Einkaufszettel schreiben. Da kommt wohl einiges zusammen...

Bild
Der Rest muß auch noch raus, wenn es denn gründlich werden soll. Wie man sehen kann, gab's immer noch ein paar versteckte Drecknester zu entdecken.
Alle Lager waren kaputt, alle Schmierbohrungen zugesetzt.

Männerpuzzle:
Bild
Die ganzen defekten Lager und Ledersimmerringe bereiteten mir nicht wirklich Sorgen. Lediglich das verschlissene Schieberad für den 4. und 5. Gang, das Karies und radiales Spiel aufwies, bekümmerte mich. Mal sehen. Kommt Zeit, kommt Rat.

An der Hinterachse ging's weiter...
Bild
Auch hier erneuern der Wellendichtringe. Der Einkaufszettel füllte sich zusehends.

Gruß, Hendrik
He who dies with the most toys wins!
Benutzeravatar
Hinnerk
Moderator
Moderator
Beiträge: 1657
Registriert: 17.01.2007, 17:55
Wohnort: in der Werkstatt
Kontaktdaten:

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 05.10.2016, 17:34

Moin,

kleinere, aber nicht minder wichtige Fortschritte sind von der Getriebebaustelle des Farmall H zu vermelden. Alle defekten Lager und Simmerringe wurden vermessen und mit den Teilenummern und maßen der Ersatzteilliste abgeglichen. Vieles konnte ich auf dem europäischen Festland ausfindig machen und bestellen, anderes leider nicht.

Eine harte Nuss war dieses verschlissene Rollenlager:
Bild
Dieses Lager dient als Pilotlager zwischen Getriebeingangs-und Ausgangswelle. Es hat so ungewöhnliche Maße, dass es mit keinem metrischen Lager übereinstimmt. Ein ähnliches, im Außendurchmesser etwas größeres Lager konnte ich zwar ausfindig machen, hätte dafür aber ein gehärtetes Getriebezahnrad ausdrehen müssen. Blöd. Ich vermute, dass dieses Lager nur in den Farmalls verbaut wurde... und sonst nirgendwo.
In den USA ist dieses Lager noch neu erhältlich, aber nur für teuer Geld und auch noch nicht mal bei den Teilehändlern wie z.B. Steiner.
Also... einer der vielen sauren Äpfel, in die ich beißen musste.

Um so leichter war es, ein neues Schieberad für den 4. und 5 Gang zu finden. Dieses ist offensichtlich ein gängiges Verschleißteil, denn es ist problemlos und verhältnismäßig kostengünstig als Neuteil lieferbar.

Während ich also die ersten Bestellungen in die Niederlande und die USA kabelte, beschäftigte ich mit weiteren Baustellen.

Zunächst: Demontage und Reinigung des Riemenscheibenantriebes. Auch das eine Sonderausstattung, die ohne Aufwand ganz einfach ach nachträglich oben auf das Getriebegehäuse geflanscht werden konnte.

Bild
Natürlich auch hier alles voller zäher, schwarzer Mompe.

Zerlegen und Auswaschen war wiedermal angesagt:
Bild
Das Ergebnis passte zum Rest: Lager kaputt, Ledersimmerring porös und undicht. Verzahnung aber augenscheinlich noch in gutem Zustand.
Auch hierfür bestellte ich neue Lager und Simmerringe.

Während ich nun sehnsüchtig auf die erste Teilelieferung wartete, vergnügte ich mich mit Arbeiten für "Zwischendurch".
Reinigen des Zwischenstückes zwischen Motor und Getriebe:
Bild
Nun ja, geht doch. Aber so langsam konnte ich diese Schmier-und Dreckkruste nicht mehr sehen. :roll:

Hurra, endlich mal eine Arbeit ohne schmierig-schwarze Hände... Dichtungen schnippeln.
Überall am Farmall waren noch die originalen Dichtungen verbaut. Gut erkennbar an den eingeprägten Ersatzteilnummern:
Bild

...egal, jetzt gibt's neue. Rundum.
Bild

Zu guter letzt gab's natürlich auch eine neue Dichtung für den großen Getriebdeckel:
Bild

Bild
...passt!

Jetzt hiess es warten, warten, warten...

Gruß, Hendrik
He who dies with the most toys wins!
Benutzeravatar
Hinnerk
Moderator
Moderator
Beiträge: 1657
Registriert: 17.01.2007, 17:55
Wohnort: in der Werkstatt
Kontaktdaten:

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 21.10.2016, 16:08

Moin,

es war soweit... die ersten in den USA und den Niederlanden bestellten Ersatzteile trudelten ein. In diesem Fall diverse Lager, Simmerringe und ähnlicher Kleinkram.
Grundsätzlich ist die Ersatzteilversorgung für die amerikanischen Farmall absolut super, so gut wie alles gibt's neu, was es nicht neu gibt, kann man billig vom Schlachter bekommen. Abgesehen mal von einigen wenigen Spezialteilen- siehe Rollenlager oben.

Die Teile der ersten Lieferung waren für den Riemenscheibenantrieb bestimmt. Nach der erfolgten Demontage, Zerlegung und Reinigung konnte ich diesen nun wieder zusammensetzen.

Der Lagerdeckel wurde mit einem neuen Simmerring sowie einem neuen Kugellager bestückt:
Bild
Wie gut, dass ich stets auf tatkräftige Unterstützung zurückgreifen kann :wink: :D

Bild
Das zweite Kugellager sitzt direkt auf dem Kegelrad. Das Lager erhitze ich auf einer Herdplatte, sodass es sich leicht auf das Kegelrad schlagen liess.

Die einbaufertige Welle sieht dann so aus:
Bild

Ich beschäftigte mich nun mit dem Gehäuse des Riemenscheibenantriebes und der "Eingangswelle" mit ihrem Schieberad.
Das Ende der Welle ist mit einer einfachen Buchse im Gehäuse gelagert.
Bild
Das Foto zeigt den Rest dieser Buchse, nachdem ich sie aus dem Gehäuse operiert hatte. Das alte IH-Logo ist hier gut zu sehen. Diese Buchse war tatsächlich aus einfachem Stahlblech gefertigt- ein Zeichen dafür, dass zu Kriegszeiten auch in den USA massiv an Buntmetall gespart wurde.
Logisch, dass Buchse und Wellenstumpf das über die Jahre nicht spurlos wegsteckten.

Die durch den Stahl-auf-Stahl-Betrieb arg in Mitleidenschaft gezogene Welle drehte ich ab:
Bild

... und versah auch sie mit einem neuen Kugellager (am anderen Ende, logischerweise).
Bild

Ein passende neue Buchse, diesmal aus Lagerbronze, wurde angefertigt und mit einem passenden Dorn ins Gehäuse eingetrieben:
Bild

Bild
Fertig und bereit für die nächsten 70 Jahre Riemenscheibenarbeit :lol: :lol: :lol:

Das komplette Innenleben des Riemenscheibenantriebes war nun gereinigt und erneuert. Alle Simmerringe und Lager wurden ersetzt, eine neue Papierdichtung zugeschnitten.
Nun konnte alles wieder zusammengesetzt werden.
Das Endergebnis:
Bild
Ein einbaufertiger Riemenscheibenantrieb sowie diverse kaputte Lager und drei Pfund alte Schmiermompe.

Wenden wir uns nun dem nächsten Patienten zu... der Zapfwelle.

Schönes Wochenende euch allen,
Hendrik
He who dies with the most toys wins!
Benutzeravatar
Hinnerk
Moderator
Moderator
Beiträge: 1657
Registriert: 17.01.2007, 17:55
Wohnort: in der Werkstatt
Kontaktdaten:

Re: Farmall H von 1943: Wiederbelebung eines RowCrops

Beitragvon Hinnerk » 08.11.2016, 17:48

Moin,

wie zuvor erwähnt: nun ging's weiter mit der Zapfwelle. Sie musste nicht nur neu abgedichtet und gelagert werden...
Bild
...sondern komplett ersetzt werden, da von der Verzahnung, man kann es schön erkennen, nicht einmal mehr die Hälfte vorhanden war. Offensichtlich hat mein Farmall einen Großteil seines Arbeitslebens vor Zapfwellengeräten verbracht. Ob's da untenrum mit zunehmendem Maße klapperte, scheint Billy Bob nicht wirklich gestört zu haben.

Da ich keine große Lust hatte, die vergriesgnaddelte Verzahnung per Schweißgerät nachzumodellieren, schaute ich mich in den USA nach einer guten, gebrauchten Zapfwelle um.
Und ich wurde fündig. Ein auf IH spezialisierter Schlepperverwerter in Arizona, der reihenweise Farmalls schlachtet, hatte die gesuchte Zapfwelle parat und war bereit, mir diese über den Atlantik zu schicken.
Nach zwei Wochen konnte ich sie beim Zoll abholen. Und siehe da:

Bild
Alt und schlecht neben alt und gut. Toll, die "neue" Zapfwelle war fast neuwertig, ohne irgendwelche besonderen Gebrauchsspuren. Supi!

Nun erst mal alles zerlegen und säubern...
Bild
...und neue Lager und Simmerringe ordern.
Wie man sieht, ist die ganze Zapfwellenchose äußerst simpel aufgebaut und besteht nur aus einer Handvoll Teile. Die Schaltmimik sitz in einem aussenliegenden Gehäuse, wodurch man auch nachträglich eine Zapfwelle problemlos nachrüsten konnte.

Das neue Kugellager traf ein und wurde flugs montiert:
Bild

...Ebenso die neuen Simmerringe. Zwei Simmerringe ersetzen fortan einen breiten Filzring.
Bild
Das dürfte dichten...Ich werde die Zapfwelle sowieso nicht großartig einsetzen.

Bild
Dieses Bild zeigt die neu gelagerte Zapfwelle in ihrem Schaltgehäuse. Die Lange Schiebemuffe wurde in den kleinen Schalthebel ebenfalls eingefädelt.

Trockenübung:
Bild
Klappt gut. "Saugend und schmatzend", wie man so sagt.

Bild
Hier ist die getriebeseitige Schaltmuffe gut zu erkennen. Das Teil konnte nun montiert werden.

Bild
Hinterlässt von innen einen guten Eindruck, wie auch von aussen:
Bild

Zur Vervollständigung musste nun nur doch die Kappe mitsamt der Simmerringe montiert und der Zapfwellenschutz angebracht werden.

Nachdem ich den recht doll verbogenen Zapfwellenschutz auf dem Amboss gerichtet hatte, konnte ich auch diesen wieder montieren.
Bild

Fertig für heute.

Gruß, Hendrik
He who dies with the most toys wins!

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast