Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Alles rund um Buchsen, Federung, Lenkgetriebe und Radnabe

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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon 3085 » 25.07.2018, 15:03

Moin Zusammen,

leider klappt das mit der Krankenkassenkarte nicht, insofern habe ich wohl ein kleines Problem. Aber - was will man machen. Der Salat liegt da, und ich wollte es nicht anders. Trotzdem, eigentlich entsprach alles zusammen einem achstechnischen Supergau, zumindest in meinen Augen. Das wollte ich dann einigen Schrauber-Kollegen auch so verkaufen und durfte sofort Prügel einstecken. Alle vier Sitze der Schwenklager seien ja nicht ausgenudelt, von dem her müsse der Achskörper nicht aufgespritzt und neu gefräst werden. Es wäre doch alles halb so wild und nicht so teuer, ich solle mich nicht anstellen. Na denn, OK...
Also, erst mal Ersatzteilliste aus dem Schrank ziehen, Teile rausschreiben und eine Anfrage nach Eicher Ganacker schicken. Überraschung: Alles lieferbar! Die schlechte Nachricht befand sich nur leider wenige Zeilen darunter. Alle Einzelteile sind zwar nicht sonderlich teuer, jedoch summiert es sich. Insgesamt 10 Lamellen, dazu acht stehende Scheiben, die sechs Ausgleichräder,...
Naja, erst mal war damit klar, dass es alle Einzelteile gibt - zur Not eben als Neuteil. Und mal ehrlich: Die APL 1551 steckt in tausenden Traktoren - also, ab zu einschlägigen Gebrauchtteilehändlern.
Zwischenzeitlich konnte ich mir via www.schlueter-archiv.de die ZF-Stückliste zur APL 1551 besorgen. Dort wird aufgeschlüsselt, in welcher Hersteller welche Variante verbaut hat und wo Unterschiede, z.B. der Übersetzung, liegen. Die Achsen lassen sich - trotz gleicher Optik - von außen unterscheiden. ZF nutze für jede einzelne Variante eine neue Stücklistennummer. Anhand dieser kann ZF noch heute genau bestimmen, welche Ausführung vorliegt. Wer nun meint, 1551 ist 1551 - falsch! Insgesamt gibt es laut Liste allein 15 verschiedene Stücklistennummern, sieben Achsbrücken und fünf verschiedene Kegel/Tellerradsätze. Anders gesagt: ZF ist wie eine Schachtel Pralinen; man weiß nie, was man bekommt.
Für Suche nach Gebrauchtteilen ist das natürlich eine grandiose Ausgangslage... Anders gesagt, derzeit gibt es wenig Neues, bzw. es ist kein Land in Sicht.
Ohne Eicher?? Ohne mich.

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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon jweitzel » 26.07.2018, 07:11

Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie ein Experte und technischer Perfektionist wie Du etwas hoffnungslos vor so einem Haufen steht. Ich hab's nämlich auch immer gerne nicht "irgendwie", sondern 100%tig. Und grad bei solchen alten Schätzchen ist das nicht immer drin oder wenn, dann nur für echt teuer Geld. Da kannst Du einem leid tun. Gottseidank hab ich heut nicht mehr die räumlichen und zeitlichen Möglichkeiten, jedes Einzelteil eines schönen 4-Zylinders fein nach Farben sortiert ;-) auf weißem Tuch auf der Werkbank auszubreiten. Aber es gibt Leute, die lieben das so.
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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon 3085 » 09.08.2018, 10:54

Ersatzteile suchen ist doch schwerer als gedacht. Zur Verkürzung der Wartezeit hab ich mich schon mal vorsichtig mit meinen Einzelteilen befasst, bisher sieht´s schon mal ganz gut aus. Entlackt habe ich mit einem Nagelklopfer, anschließend per Flex und Topfbüste alle Feinheiten weggeschliffen. Zum Schluss wurde noch mal mit 80er Schmirgel per Hand angeraut. Das klingt zwar nach riesigem Aufwand, insgesamt hatte ich aber nach knapp drei Stunden alle Teile blank. Lediglich die beiden Schwenkgehäuse erschienen mir zu arbeitsintensiv, diese kamen kurzerhand zum Sandstrahlen. Aber Achtung: Planflächen und Gewinde wurden verschlossen, bzw. nicht gestrahlt, hier muss man wissen was man tut, bzw. auch entsprechendes Strahlgut verwenden.
Vorm Grundieren erhielten Lagersitze und Co eine Fettschicht, immerhin darf hier keine Farbe drin stecken. Nach Aushärten der Grundierung kann man die Fettschicht einfach wegwischen und der Lagersitz ist sauber.
Auch alle Dichtflächen sind bereits geschmirgelt, sowie alle Gewinde nachgeschnitten. Ich mach das mit einem Akkuschrauber, allerdings steht die Drehmomentauslösung dabei stets auf kleinster Stufe. Man meint gar nicht, was in den Gewinden ein Schmodder übrig bleibt, nachschneiden an Dichtflächen ist daher nur zu empfehlen.
Damit liegen nun alle Teile einbaufertig vor, es fehlt lediglich das Innenleben...

Ergebnis Nagelklopfer:
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Ergebnis Topfbürste:
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Ergebnis 80er Schmirgel:
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Vor und nach Nagelklopfer:
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Schon gebürstet:


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Lagersitz gefettet:
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Endlich Farbe:
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Gewinde nachschneiden:
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...und Schmodder aus den Gewindebohrungen:
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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon wink » 09.08.2018, 11:11

3085 hat geschrieben:Vorm Grundieren erhielten Lagersitze und Co eine Fettschicht, immerhin darf hier keine Farbe drin stecken. Nach Aushärten der Grundierung kann man die Fettschicht einfach wegwischen und der Lagersitz ist sauber.



Servus,

was für Lack verwendest du?
Ich habe das mal bei meiner Drehe so gemacht. Das Ergebnis war, dass die Lösungsmittel im Lack mir das Öl im Fett ausgelöst haben und das in den Lack gelaufen ist.
Dort hat der Lack dann natürlich nicht mehr gehalten.

Ich habe mit Mipa 2k EP Grundierung gespritzt.
MfG
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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon 3085 » 09.08.2018, 11:29

Moin,

das Problem hatte ich nicht, habe Cromax 2K EP verwendet. Diese ist auf Fett sauber ausgehärtet - allerdings war hier eher Farbnebel im Spiel.
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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon wink » 09.08.2018, 11:32

ok, vll. werde ich den mal testen. Glaube aber eher an einen Anwendungsfehler bei mir (Schichtstärke war eher am oberen Ende der Zulässigkeit)
MfG
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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon 3085 » 17.08.2018, 15:00

Ja, da war wieder mein Problem. Innenleben... Die ZF ETL war nun extrem hilfreich. Schnell war klar: Laut Ersatzteilnummern passen die Locomatic-Teile aus jeder anderen APL 1551 auch. Problem: Nicht jede 1551 hat auch Locomatic. Ausgerechnet der größte Abnehmer IHC orderte die Achse stets mit normalem Differential - quasi die Billigversion. Damit schied ein geschlachteter 844A als Ersatzteilspender aus - und gerade die gibt es in "größeren" Mengen.
Übrig blieben Fendt, Eicher, Schlüter, Steyr und John Deere. Jedoch wird es mit Schlachtteilen für diese Schleppergeneration langsam schwer. Fahrzeugpreise steigen, sodass sich mit einem kompletten Schlepper oft mehr Geld machen lässt. Folglich schrumpft der Gebrauchtteilemarkt. Insgesamt ließen sich zwei Dinge auftreiben: Ein Achseinsatz eines Fendt, dessen Innenleben jedoch auch eher fertig war, sowie eine komplette Achse vom Eicher 3085. Allerdings optisch schlechter Zustand, zerlegen und reinschauen war vorm Kauf nicht drin. Quasi wie Lotto spielen - schlimmstenfalls sechs Richtige plus Superzahl und es ist alles umsonst.
Zum Glück - und das kann ich jedem nur raten - wusste ich Neupreise. Summa Summarum rief Eicher für alles Zusammen nur wenig mehr auf, als ich für die 3085-Achse hätte zahlen sollen. Für meine besonders in Mitleidenschaft gezogenen Ausgleichkegelräder gibt es seitens ZF übrigens einen "preiswerten" Reparatursatz, im Nachhinein lohnte sich die Suche nach Gebrauchtteilen eigentlich gar nicht.
Es dürfte nicht wundern, dass ich einige Tage später ein "kleines Päckchen" von Eicher erhielt. Gleich dazu orderte ich alle Dichtringe nach Variante A (ZF-Spezial, bloß nix von der Stange nehmen!!!!), sowie einen Repsatz für meinen Lenkzylinder.
Einziger Wehrmutstropfen bisher: Lediglich die Gabelwelle ist nicht mehr lieferbar, auch gibt es diese nicht gebraucht (ZF hat laut Stückliste überall was anderes...).

Kleines Päckchen von Eicher:
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Sieht besser aus - die Ausgleichkegelräder
Bild

Uns das innenliegende Antriebskegelrad war auch dabei, dahinter die neuen Locomatic-Lamellen:
Bild

Schließlich stand noch der Gang zum Lagerhändler an, immerhin konnte ich obendrauf noch alle eingebauten (Timken-) Lager erneuern. Es ist mir egal was ihr dazu sagt: Ich wette darauf, dass ZF diese seinerzeit nur eingebaut hat, um mich an dieser Stelle zu ärgern. Timken Lager. Gibt´s was schlimmeres? Dass hinter Timken die Amis stecken, wird beim Blick auf die Kegelrollenlager-Vermarktungstaktik klar. Lagerkäfig und Außenring gibt es nicht zusammen, sondern nur separat. Da kann man also doppelt abzocken. Und dank des ... mit diesem Hamster auf´m Kopf darf man für die Ware "proudly made in USA" wahrscheinlich auch noch Strafzölle zahlen. Dann diese Bezeichnungen: M, HM, JLM,... Sind vermutlich übriggebliebene Twitter-Abkürzungen.
Ich bleib dabei: ZF hat bei der Konstruktion Anfang der 1970er bewusst Timken-Lager genommen, damit ich mich im Jahr 2018 damit rumärgern darf. So. :mecker: :mecker:

Aber mal im Ernst: Trotz guter Konditionen meines Händlers bin ich an der Kasse fast aus den Latschen gekippt. Für die Kohle kann ich ein komplettes MF-Getriebe mit Originalersatzteilen überholen.

Timkenlager:
Bild

Das mit diesen scheiß Lagern muss ich echt erstmal verdauen. Es geht aber weiter, versprochen!
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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon 3085 » 22.08.2018, 11:30

Nachdem ich mich tagelang über die Preise von Timken-Lager geärgert hab, geht es denn irgendwann mal an den Zusammenbau des ganzen Achs-Salates. Ehrlich gesagt: Es wird auch Zeit, über einen solch langen Zeitraum sollten technische Komponenten eigentlich nicht geöffnet sein.
Noch was vorab: Die nächsten Kapitel sind definitiv nix für Hobbyschrauber, hier geht´s richtig ans Eingemachte. Wer nicht eindeutige Vorkenntnisse hat, sollte von dem Kram besser die Finger lassen. Da es teilweise mit Messungen auch äußerst kompliziert wird, schreibe ich nicht jedes Einstellmaß, bzw. Messung auf. Zudem sind je nach Ausführung der APL 1551 auch unterschiedliche Maße zu beachten. Daher nochmal zur Sicherheit: Dieser Thread ist kein Werkstatthandbuch!
Mein Ziel ist es vielmehr, jedem mal einen kleinen Einblick in dieses System zu verschaffen und Probleme aufzuzeigen. Davon gibt´s nämlich genug... Natürlich hoffe ich, dass mein Geschreibsel für euch interessant halten kann.
Als ich endlich mit Werkstatthandbuch bewaffnet zum Zusammenbau losschlagen wollte, blieb mir schon nach einigen Blicken nur ein langes Gesicht. Schiffbruch auf voller Linie. Meine besagte Locomatic entsprach nicht der Ausführung, welche im ZF-Traktor-Achsen-Handbuch abgebildet ist. Volltreffer. Dabei geht´s im Handbuch gezielt um die APL 1551. Irgendwie ziehe ich solche Scheiße magisch an...

Mir blieb ein Kontakt zu ZF in Oberhausen, dort ist eine Werksinstandsetzung untergebracht. Kurzerhand schilderte ich dem Werkstattmeister telefonisch mein Problem, dieser zog darauf hin ein Handbuch aus dem Regal und - was glaubt ihr wohl - er hatte das selbe wie ich in der Hand. Zum Glück kannte er jedoch "das andere System", wie er es nannte. Deren Einstellung ist laut ihm recht simpel, es wird im eingebauten Zustand ungeölt das Axialspiel der Lamellen ermittelt. Pro Lamelle soll das Paket 1/10 Spiel haben, folglich 0,4mm. Dieses Spiel kann durch zwei spezielle Einstelllamellen im Bereich von 0,3mm justiert werden. Ich hatte zum Glück die passenden gegriffen, sodass das Maß beidseitig eingehalten werden konnte.

Einstellen der Lamellen:
Bild

Im Anschluss daran erfolgte der Zusammenbau mit Öl (Achtung: nur SAE 90 GL5 verwenden) und es wird ein Durchdrehmoment ermittelt, dieses sollte bei meiner Achse um 15 Newtonmeter betragen. Also: Achswelle in Schraubstock spannen, Achseinsatz aufstecken, zweite Achswelle in Achseinsatz stecken und vorsichtig drehen. 15 Newtonmeter passten vom Kraftaufwand her, ruckartige Bewegungen sorgten für sofortige Blockade des Systems. Genau so muss ein Selbstsperrdifferential reagieren. Von dem her geht es wohl nicht besser, also stand nun der Einbau des Salates an.
Zuerst montierte ich die Kegelradwelle im Gehäuse, natürlich mit neuen Timken-Lagern (bei dem Wort kocht mir schon wieder das Blut in den Adern...). Selbstverständlich habe ich die Lager kontrolliert erwärmt (Mini-Backofen), danach fallen sie von selbst auf ihre Position (sog. Warmdehnen). Übrigens: Je nach Möglichkeit müssen Lager immer so eingebaut werden, nach Abkühlen sollte man jedoch seine Arbeit nochmals kontrollieren (Durchschlag und Hammer).

Montage Kegelradwelle
Bild

Kegelradwelle eingebaut
Bild

Nun ging es an den Einsatz, dieser muss bei der APL 1551 geteilt eingeschoben werden. Im Anschluss müssen vier Ausgleichräder, vier Scheiben und zwei Bolzen an ihren Platz. Sagt sich einfach, ist es aber nicht. Hält man die beiden Differentialkorbhälften nicht genau gerade, purzeln die innenliegenden Lamellen durch die Gegend. Ach, was war das schön. Nach einer Stunde probieren und gelegentlich hervorkommenden Schimpfwörtern war das Differential komplett und konnte verschraubt werden.

Korb montiert:
Bild

Anschließend wanderten die einzigen beiden metrischen Lager in den Differentialkorb, damit war Kegel/Tellerrad einstellfähig. Bei diesen Achseinsätzen kann die Position des Tellerrads mit Einstellmuttern verändert werden. Laut Handbuch wird selbiges bis zum Anschlag in Richtung Kegelrad gedrückt, anschließend muss ein Flankenspiel von 0,15 bis 0,20 mm eingestellt werden. Dies wird ebenfalls durch Lösen oder Anziehen beider Muttern erledigt. Im Anschluss daran schnell was Farbe auf die Zähnchen pinseln und Tragbild kontrollieren:

Tragbild:
Bild

Und noch schnell die Einstellmuttern sichern:
Bild

...Feierabendbierchen 8)


Hier übrigens mal ein Foto des schadensverursachenden Bauteils: Rechts das Alte (mit fehlender Kappe), links das Neue. Folglich läuft das Wasser nicht an der Kappe ab, sondern wird wie über einen Trichter direkt in die Achse geleitet. Kostenpunkt: 12 Euro... Wer daran spart hat solche Reparaturen wie hier einfach verdient. Gleiches gilt für defekte Schalthebelmanschetten oder fehlende/defekte Hupenknöpfe.

Bild
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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon wink » 22.08.2018, 12:14

Danke fürs zeigen.

Gibt's da besondere Gründe dafür? Oder Gerät sonst einfach der genaue Zusammenbau in Vergessenheit? Flugrost könnte man ja mit Öl begegnen.

3085 hat geschrieben: Es wird auch Zeit, über einen solch langen Zeitraum sollten technische Komponenten eigentlich nicht geöffnet sein.
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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon 3085 » 22.08.2018, 12:20

wink hat geschrieben:Danke fürs zeigen.

Gibt's da besondere Gründe dafür? Oder Gerät sonst einfach der genaue Zusammenbau in Vergessenheit? Flugrost könnte man ja mit Öl begegnen.


Da geht es vielmehr um Staub, Dreck und sonstigen Kram, der eben immer (und gerade in einer Werkstatt) durch die Gegend schwirrt. Vieles von diesem Kleinzeug bekommst du eben nicht mehr raus, z.B. aus Lagern. Aber du hast auch Recht: gerade bei solch komplizierten Sachen vergisst man nach der Zeit auch mal was...
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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon wink » 22.08.2018, 12:27

Ah okay, danke.
Darum decke ich sowas immer ab. Aber ja, sicher ist sicher.
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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon 3085 » 24.08.2018, 12:03

Der nächste Schritt gestaltet sich relativ einfach - mein Achseinsatz durfte wieder an seinen angestammten Platz. Etwas Dichtmasse drauf und alles brav mit M10er Schrauben 10.9er Festigkeit anziehen. Umso komplizierter ist jedoch der nächste Punkt, das Thema Schwenklager stand an.
Zunächst habe ich lediglich die Lager-Außenringe eingesetzt, sowie neue Fettkappen montiert. Diese muss man - wenn´s fest sitzt - bei Demontage leider zerstören.

Achseinsatz montiert:
Bild

Lageraußenring eingesetzt:
Bild

Einbau der Schwenklager mit Gehäuse ist an sich nichts besonderes, jedoch kommen nun einige wichtige Einstellmaße auf. Zwischen den Lagern und Gegenplatten befinden sich Einstellscheiben, diese sind für zwei Maße verantwortlich. Erstens wird damit die Lagervorspannung eingestellt, zweitens die Antriebswelle ausgemittelt. Das hat folgenden Grund: beide Teile der Antriebswelle müssen auf exakt gleicher Höhe zueinander stehen, da ein eventueller Höhenunterschied durch die Kreuzgelenke nicht ausgeglichen werden kann. Wird dies nicht korrekt eingestellt, kommt es zu hohem Verschleiß und/oder Bruch einer Welle. Prüfen kann man nur im eingebauten Zustand: Die Antriebswelle muss sich axial verschieben lassen, auch und vor allem im eingelenkten Zustand!
Normalerweise ist es so, dass an den Schwenklagern unten und oben gleichdicke Einstellscheiben beigelegt sind. Ich hatte bei Ausbau nachgemessen, eine Seite war mit gleichdicken Scheiben ausgestattet, eine nicht. Die Anordnung der Scheiben hatte ich entsprechend markiert um beim Zusammenbau keine Probleme zu erhalten.
Beim Einbau der Schwenklager war nun die korrekte Scheibenbestückung wichtig, diese landen zwischen Achsbolzen und Druckplatte, mit der das Lager vorgespannt wird. Wichtig ist, dass hier mit Drehmomenten gearbeitet wird, also alle Schraubverbindungen gleichmäßig angezogen werden. Dies habe ich zunächst in Fahrtrichtung links getan, im Anschluss daran kann man die Lagervorspannung kontrollieren. Diese liegt um 15 Nm, folglich dürfen sich die Schwenkgehäuse nur mit leichtem Kraftaufwand bewegen. Hier stimmte soweit alles.

Schwenkgehäuse montiert:
Bild

Bevor es nun weiter geht ist die Gelenkwelle/Achswelle erforderlich, also musste nun an dieser Baustelle weiter gearbeitet werden. Die Gelenke erhielten neue Sterne mitsamt Nadellagern, ist kein großer Aufwand und kostenmäßig auch relativ günstig, weshalb hier eigentlich nicht gespart werden sollte. Beim Zusammenbau ist eine zweite Person äußerst hilfreich, da alles etwas wackelig ist.

Kreuzgelenk lose:
Bild

Kreuzgelenk montiert:
Bild

Zuerst wird die Antriebswelle achsseitig eingeführt, dann von außen der Achszapfen über die Antriebswelle geschoben und am Schwenkgehäuse verschraubt. Nun muss sich die Welle in jeder Position (eingelenkt oder geradeausfahrt) axial verschieben lassen. Genau das war der Fall, folglich zerlegte ich alles wieder um noch die nötigen Simmeringe in Achskörper und Achszapfen einbauen zu können. Der Achszapfen wird ebenfalls mit Schrauben 10.9er Festigkeit gehalten, hier muss man bei Ersatzbeschaffung entsprechend aufpassen.

Achswelle eingesteckt:
Bild

Achszapfen Probemontage:
Bild

Achszapfen endmontiert:
Bild

Ansicht Kreuzgelenk:
Bild

Auf der anderen Seite war es nun das selbe Prozedere, nur dass mir die unterschiedlich dicken Einstellscheiben im Magen lagen. Diese Seite war auch schon mal geöffnet worden, da hier die Lager-Druckplatte gleichzeitig als Lenkstockhebel fungiert und dieser offensichtlich mal abgebrochen war. Bei der APL 1551 ist dies ein bekanntes Problem, es gibt die Hebel heute noch neu und in verstärkter Ausführung. Genau so ein Hebel ist bei mir verbaut, dieser wurde jedoch offensichtlich vorab noch weiter verstärkt. Da die Arbeiten sauber ausgeführt wurden bestand für mich kein Grund, einen verstärkten Lenkstockhebel wegzuschmeißen und gegen einen (in dem Fall doch etwas schwächeren) neuen zu tauschen.
Wie auch immer: das Prozedere beim Zusammenbau ist genau wie linksseitig, Maße, Drehmomente und axiale Verschiebbarkeit der Welle waren auch hier gegeben, sodass auch links endgültig montiert werden konnte. Im Anschluss daran setzte ich bereits die Antriebsräder auf die Wellen auf, diese sind nur gesteckt und mit einem Sicherungsring gehalten.
Damit wäre ein weiterer spezieller Fall abgehakt, auf zum Nächsten...

Nochmal zur Sicherheit: Alle genannten Einstellwerte gelten nur für meine Ausführung und nicht für irgendwelche anderen APL 1551!

Und wieder alles brav bis zum nächsten Mal abdecken:
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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon Sam67 » 24.08.2018, 13:58

Hallo 3085,
dein Bericht ist interessant zu lesen. Macht Spaß!
Liebe Grüße,
Sam
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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon 3085 » 27.08.2018, 16:00

Jetzt hab ich noch mal ein kleines bisschen aufs Gaspedal getreten und mich endlich um die Endantriebe kümmern können. Im Grunde genommen sind hier nur Simmeringe und beide Radlager getauscht worden, das ist keine große Aktion. Beide Lager-Außenringe müssen zuerst in die Endantriebe eingesetzt werden, dann wird das innere Radlager lose eingelegt und schließlich der große Simmering montiert. Das alles wird auf den Achszapfen geführt und im Anschluss ein kleines Lager aufgesteckt. Nichts anderes als bei jeder anderen Achse, vom Prinzip her sollte alles verständlich sein.

Endantrieb leer:
Bild

Besonders ist jedoch die Einstellung. ZF gibt einen Rollwiderstand von 4 bis 7 Nm bei neuen Lagern an, gemessen wird dies mit einer kleinen Federwaage (am Radbolzen befestigt gemäß ZF Anleitung). Leider gibt es davon keine Fotos.

Endantrieb ohne Deckel:
Bild

Die Lagervorspannung wird mit einer Ringmutter verändert, welche anschließend durch ein Sicherungsblech festgehalten wird.
Im Anschluss daran werden die Radnabendeckel aufgesetzt und verschraubt.

Sicherung Ringmutter
Bild

Deckel Endantrieb:
Bild

Nun sollte die axiale Verschiebbarkeit der Gelenkwelle abermals geprüft werden (eingelenkt und geradeausfahrt), da ein verstellbarer Anschlag im Radnabendeckel sitzt. Aber auch hier bestand kein nachträglicher Handlungsbedarf.
Damit kam ich zur Durchdrehprobe: Selbstverständlich funktioniert alles so wie es soll. Wenn am Kardanwellenflansch gedreht wird läuft alles schön gleichmäßig. Ebenso an den Radnaben: Leichte Bewegungen übertragen sich sauber, die Gegenseite dreht entsprechend Differential entgegengesetzt, ruckartige Bewegungen sorgen für sofortige Sperrung des Ausgleichs.

Achse komplett:
Bild

Auch alle Halter haben zwischenzeitlich wieder ihren Platz an der APL 1551 gefunden, aus Sicherheitsgründen wurden alle mit neuen Schrauben (gemäß ETL) versehen. Damit ist die Achsinstandsetzung im wesentlichen abgeschlossen, lediglich das Kapitel Lenkzylinder und Spurstange steht noch aus. Gerade dieser vermaledeiter Zylinder ärgert mich gerade schwarz...

Halter:
Bild

Achse:
Bild


Und wie immer, es bleibt ordentlich was an Müll übrig. Vor allem diese schwarz-orangenen US-Kartons... :mecker:

Leere Kartons:
Bild

Edit: Link korrigiert
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Re: Vorderachse und andere Sorgen - ZF APL 1551

Beitragvon 3085 » 20.09.2018, 09:41

Ich hatte es schon angedeutet, der Lenkzylinder entwickelte sich zu einer mittelmäßigen Katastrophe. Ziel war eigentlich einfach: Abdichten des total versifften Zylinders. Da die Kolbenstange noch sauber war, sollte dies kein großes Problem werden. So zumindest dachte ich.
Dichtsätze gibt es im Zubehör und bei ZF - ich habe dann erst mal einen Zubehördichtsatz bestellt. Weder Manschette, noch die äußere Abdichtung passten. Ich hab mir erst mal nichts weiter gedacht und dann bei ZF eingekauft. Schlappe 85 Euro für den Satz - Schnäppchen... Auch dieser Dichtsatz war eher seltsam, offensichtlich fehlten Teile. Folglich kam letztendlich der "große" Dichtsatz von ZF, dessen Preis noch viel größer war. Und wieder mal: Passt nicht. So langsam stank die Aktion zum Himmel.
Ich hatte mich in erster Linie mit der Manschette befasst, hier war totales Rätselraten aller Beteiligter angesagt. Das ausgebaute Teil konnte mir schließlich auch kein Hydraulikhändler besorgen. Innerlich war der Beschluss daher schon klar: Manschette kommt wieder rein, äußere Abdichtung des Zylinders sollte ausreichen.

Kolben mit alter Manschette
Bild

Beim Einsetzen des Simmerrings (Durchmesser 34mm) dämmerte mir langsam was passiert war... Dieser fiel gleich ganz durch und hatte etwa 6/10 Radialspiel. Zum Glück hatte ich die Altteile noch: Dieser Siri war von 35mm Außendurchmesser - und dazu außen voll ausgehärteter Dichtmasse. 10 Minuten später war nicht nur die Dichtmasse abgepiddelt, sondern eine Erkenntnis gewonnen: Die Superschrauber waren mal wieder am Werk und haben den ganzen Zylinder verpfuscht. Führung, als auch Kolben, waren überdreht worden, weshalb kein Maß stimmte und alle Teile nicht passten. Warum diese Idioten die Führung auf 35,2mm aufgebohrt haben - Simmeringe benötigen leichtes Übermaß (in dem Fall 35,00mm bis 35,039mm) - keine Ahnung. Hauptsache mit billiger Dichtpampe zusammenmurksen. Lenkungsteile sind ja auch gar nicht sicherheitsrelevant... Wo wir gerade bei Sicherheit sind: Diesen Spurstangenkopf müsste man beim TÜV ausstellen:
Spurtstangenkopf alt:
Bild
Damit der (total ausgenudelte) Kopf nicht rausspringt, haben die ernsthaft ne Stahlscheibe aufgeschweißt. Wie krank ein Hirn sein muss in dem eine solche Idee entsteht - es bleibt mir ein Rätsel.

Kurzum: Kolben und Führung Schrott. Erster war bei ZF nicht lieferbar, die Führung schon... Ähm, naja - ein neuer Zylinder kam bei Eicher jedoch deutlich günstiger. Neue Spurstangenköpfe gab es dann auch noch dazu, folglich sollte dieses Kapitel für mich auf Lebzeit beendet sein. Gleiches gilt wohl für die Achse, die Überholung ist damit nach knapp 75 Stunden reiner Arbeitszeit abgeschlossen.

Zylinder alt und neu:
Bild
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