Restauration Güldner G45S

Alles über den Wiederaufbau und die Restaurierung eures Schmuckstücks.

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Restauration Güldner G45S

Beitragvon Güldner45 » 15.09.2018, 01:58

Hallo zusammen,

Nach dem wirklich umfangreichen Bericht von Markus über seinen G45 AS habe ich mich entschlossen die Traktorhof-Gemeinde an meinem Projekt teilhaben zu lassen.

Die Geschichte:

Mein, im April erworbener Güldner, hatte vor allem ein Problem. Kaltstart ohne ‚Atemfrisch‘ nicht möglich.
Zu späteren Zeitpunkt mehr.

Zu vor muss man wissen, dass wir eine Bautz AL 180 komplett restauriert haben und uns noch um ein paar Hektar Land mit unserem Fiat 540 S kümmern. Dieser wurde ebenfalls schon von uns (zumindest) technisch auf Vordermann gebracht.

Von daher sind wir keine wirklichen Anfänger.

Bei Zeiten werde ich euch Fotos zu kommen lassen über den Fortschritt und alles chronologisch erzählen.
Momentan steht das Thema Kurbelwelle an.

Ihr seht also was zu tun ist ...
Bis dann!
Markus
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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon MichlMeik » 18.09.2018, 23:55

Zumindest sollten man sehen können wie der Güldner G45S jetzt aussieht, meiner ist nur etwas hergerichtet denn er war seit fast 50 Jahren jetzt im Betrieb tätig und das darf man sehen
WM.jpg
So sieht er am Großglockner bei der WM 2018 aus
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HanoSchlüter
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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon HanoSchlüter » 21.09.2018, 22:20

Da bin gespannt auf die Restauration deines G45. Ich hoffe du nimmst dir die Zeit und restaurierst ihn sehr gründlich. Man sieht da auf Treffen leider oft anderes...

Hat dein G45 denn eine Verteilereinspritzpumpe?
Gruß Julian

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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon Güldner45 » 23.09.2018, 18:16

Hallo zusammen,

Vorab:
@MichlMeik Fotos kommen selbst verständlich.

@HanoSchlüter Ich denke, dass wir schon sehr gründlich restaurieren und es daher die Bezeichnung Restauration verdient. Leider Gottes handelt es sich um einen der letzten G45, die dann natürlich auch mit einer Verteilereinspritzpumpe ausgerüstet waren.

Die Ausgangsbasis:

Bild

Ein G45S Bj. 1969 mit über 10.000h (Zähler ist bei 9900h stehen geblieben). Dazu erworben wurde ein 4L79F in Einzelteilen und ein Ley Gr. 2 Frontlader.
Wie man sieht, ist die Motorhaube vom Rost zerfressen und muss daher geschweißt werden.
Die Kotflügel sind Güldner typisch durchgerostet und befinden sich derzeit 'in Behandlung'.
So viel zum Blech.

Der Auspuff ist selbstverständlich sofort entfernt worden.

Es wurde daher wie üblich damit begonnen, alle Anbauteile zu entfernen.

Bild
Bild

Soweit so gut. Die Achstrichter wurden abgebaut, da die Bremsen neue Beläge und Federn bekommen sollten. Von den Kotflügeln und der Motorhaube habe ich leider keine separaten Bilder.

Als nächstes Ging es dem Motor an den Kragen. Das Kaltstartproblem habe ich ja bereits erwähnt.


Bild

Bild

Bild

Die Diagnose: 3 Köpfe mit mittleren bis starken Rissen. Hier sieht man den schlimmsten.
Kolbenringnuten ausgeschlagen, Pleuellager oben und unten ausgeschlagen und zudem noch einen Kolbenriss.
Der Grund liegt meines Erachtens in mangelnder Reinigung. Der Ölkühler saß gänzlich zu und die Kühlrippen in den Köpfen/Büchsen ebenfalls.
Bei der Besichtigung war mir die enorme Temperatur bereits aufgefallen.

Kurbelwellenlager noch in Ordnung.
Wahrscheinlich wird nur das Paßlager wegen erhöhtem Axialspiel ausgewechselt.
Da ich noch einen zweiten Motor habe, liegen beide Kurbelwellen gerade zur Vermessung beim Motoreninstandsetzer.

Wegen der zu erwartenden hohen Kosten habe ich die Einspritzpumpe erstmal nicht geprüft. Vielleicht hat man ja glück.

Beim nächsten mal geht's weiter.


mit freundlichen Grüßen

Markus
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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon HanoSchlüter » 24.09.2018, 00:29

Da hast auf jeden Fall gut zu tun. Hitzeschäden hat man leider oft bei luftgekühlten Motoren. Gerade dort ist eine regelmäßige Pflege wichtig und man sollte wissen, wie man diese fahren muss, dass der Luftdurchsatz passt.

Thema Pumpe ist nach den Jahren leider oft fällig. Da ist nach den Jahren meist ein starker Verschleiß im Verteilerkopf (bzw. kompletten Pumpe) vorhanden. Die Pumpe bringt nach vielen Betriebsstunden oftmals nicht mehr die notwendige Startmenge. Da kann leider meist nichts mehr gerettet werden. Hatte ich selber beim Hanomag Brillant 601S, der die gleiche Pumpe verbaut hat. Die Pumpe war wirklich platt. Da kann glücklicherweise leicht auf eine robuste Reihenpumpe umgebaut werden. Pumpe solltest auf jeden Fall mal ansehen lassen.
Gruß Julian

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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon Güldner45 » 27.09.2018, 07:48

Hallo zusammen,

@HannoSchlüter Das es viel Arbeit wird wusste ich, zur Zeit sieht der Güldner auch fast wieder nach Güldner aus :lol: .
Kennst du Firmen die die VA-Einspritzpumpen überholen?
Bin im Internet auf Dieselkontor gestoßen. Diese machen einen Vernünftigen Eindruck zu erschwinglichen Preisen.
Hat jmd Erfahrungen hiermit? Will mich nur im Vorhinein schon mal informieren.


Die Kurbelwellen sind wieder daheim. Kolbenbolzenlager werden heute eingepresst und die Einspritzdüsen abgedrückt. Hoffentlich sind diese nicht zu stark verschlissen.
Das einzige was ich noch brauche sind die Güldner Werksunterlagen zum Einbau einer Kurbelwelle. Sollte auch ohne gehen, mit Anleitung im Rücken ist es aber immer besser :lol: . Hat diese jmd zufällig auf PDF?


Demnächst gibt's Fotos vom Abdichten der Hydraulik.
Da ich nicht die Hubwelle ausbauen möchte, habe ich versucht die O-Ringe an den Hubarmen so zu tauschen. Nur ließ sich die Distanzscheibe vor den O-Ringen nicht entfernen. Hat jmd hierzu eine Idee??

Die Welle an sich lässt sich wegen der Steuermechanik der Regelhydraulik nicht bewegen. Würde die Regelmechanik am liebsten nicht ausbauen, da sie vorher funktioniert hat und ich mich damit gar nicht auskenne.

Leider musste ich noch feststellen, dass die Hubstreben total verschlissen sind. Sollte jmd. noch was zu Hause liegen haben, kann er sich gerne melden.


Bis Dann!
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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon HanoSchlüter » 30.09.2018, 20:06

Der größte Betrieb für VA Pumpen ist http://www.kess-web.de/
Die haben noch die meisten Teile. Bieten aber relativ schnell eine Tausch Pumpe an. Informiere dich mal.

Ein sehr guter Betrieb ist https://www.autohaus-schnaars.de/ . Da hab ich meine Pumpen her. Würde ich auf jeden Fall mal fragen. Die machen da eigentlich alles.
Gruß Julian

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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon Güldner45 » 02.10.2018, 09:52

@HanoSchlüter vielen Dank für deinen Beitrag, hast mir sehr geholfen. Ich werde trotzdem erstmal Abwarten wie sich das Startverhalten mit den neuen Büchsen + Kolben und den AT-Köpfen verbessert.

Hat jmd Erfahrungen mit dem Ausgleichsgetriebe in einem 4L79 Motor? Dieses wird an die Hauptlager der Kurbelwelle angeschraubt und besteht aus 2 gegeneinander rotierenden Wellen.

Die Industriemotoren ( Bauart F) haben meines Wissens nach alle ein in der Ölwanne laufendes Ausgleichsgetriebe zum Massenausgleich.
Da ich den 4L79 F zerlegt habe, überlege ich dieses dann in meinen original Traktormotor einzubauen.
Ändert sich die Laufruhe dadurch signifikant? Beim Ausbau ist mir aufgefallen, dass die Kurbelwellenlager an denen der Massenausgleich befestigt war stärker verschlissen sind.

Um rege Diskussionen wird gebeten.
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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon GTfan » 02.10.2018, 13:52

Moin moin,

dann vergleich zuvor mal die Nenndrehzahlden der Motorversionen.
Bei vielen Motoren sind die Ausgleichswellen nicht für alle Anwendungen gedacht, da sie auf höhere Drehzahlen auch mal mit einem "gewaltsamen Ausstieg" reagieren.
Bei Deutz hatten beispielsweise die A4L514- sowie einige F4L812 und 912 die Ausgleichswellen drin, nicht jedoch bei den höher drehenden Versionen.

Der höhere Verschleiß der entsprechenden Kurbelwellenlager kann eigentlich nur an einer falschen Auslegung des Schmierkeils liegen. Die zusätzlichen Belastungen der Ausgleichswellen scheinen Schwingungen rein zu bringen, denen der Ölfilm nicht gewachsen ist.
Vorausgesetzt natürlich, das lässt sich bei vielen oder allen F-Motoren feststellen und liegt nicht an individuellen Einflüssen wie vorherigen anderen Schäden, die sich dann zylinderselektiv auf die Lager auswirken.

MfG
Fabian
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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon Güldner45 » 02.10.2018, 19:23

Hallo,

Vielen Dank für deinen Beitrag Fabian, darüber hatte ich tatsächlich noch nicht nachgedacht. Da der gedrosselte Motor in meinem Traktor nur ca. 2300 und der Industriemotor ca. 2500 u/min dreht, sollte dies aber kein Problem sein.
Den Verschleiß der KW-Schalen würde ich aber auf die erhöhten Schwingungen durch das Getriebe zurück führen. Da mein Traktor wahrscheinlich kaum 200h im Jahr läuft sollte dies kein Problem sein.

Nun weiter im Text.

Motor, VA sind zerlegt. Kupplung befindet sich bei ZF zur Überholung.
Beim Zerlegen der VA viel mir etwas Spiel im Radlager auf.

Bild

Der Grund dafür war wie man sieht schnell gefunden. Die Nabe an sich hatte zum Glück nichts abbekommen. Und da die Achsschenkel und der Mittelachsbolzen schon mal neu gelagert wurden war bis auf neue Lager nichts an der VA zu machen.

Weiter gehts mit den Bremsen. Diese machten ab und zu komische Ratter Geräusche. Beim Ausbau kamen glasige Beläge zum Vorschein.
Zum Glück habe ich schon das A210 III verbaut, so dass wenigstens die Lager in Ordnung waren.

Hier ein Bild der neuen Beläge. Es wurde außerdem noch der Simmerring der Antriebswelle getauscht, neue Schrauben und neue Federn verwendet.

Bild

Dann wurde die Kupplungsglocke noch mit abgebaut, da der Getriebeeingang ziemlich undicht war.

Bild

Die Verzahnung war noch Top. Bis auf eine Dichtung und 2 neue Wedis war am Getriebeeingang nichts zu machen.

Nun zum nächsten Problem, dem Ausrücklager, welches beim Drücken der Kupplungen Geräusche machte.
Der Grund für das verschlissene Ausrücklager war, dass die Feder des Kupplungspedals keine Kraft mehr hatte. Also wurde eine neue Bestellt und die Kupplungsglocke von den gefühlten 10kg Fett und Dreck befreit.

Bild

Jetzt fehlte nur noch die Hydraulik.

Die Ölwanne wurde abgebaut und sämtliche Dichtungen erneuert. Zudem ein neuer Nutring verbaut, wovon ich leider kein Bild habe.

hier die geöffnete Ölwanne.

Bild

Der Zusammenbau des Getriebes ging danach relativ schnell von der Hand.
Die abgebauten Teile wurden separat abgeschliffen.

Bild

Bild


Soweit so gut. Als nächstes kommt der Motor dran.

Bis Dann!
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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon Bergschreck » 02.10.2018, 20:52

Servus,
eine mords Restauration hast du dir da vorgenommen, schaut gut aus.
Bei dem Bild mit den Bremsbacken/Belägen schreibst du, die sind "neu".
Ich meine aber, dass der linke Belag schon nach kurzer Zeit Probleme bereiten wird, da eventuell zu "stramm" genietet wurde.
Oder warum sind da Risse zu erkennen?
Gruß
Heinrich
Bild
Auch "Kleine" leisten großes... :wink:
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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon Güldner45 » 03.10.2018, 09:43

Da hast du recht, wie du aber erkennst fehlt noch die Unterlegscheibe und der Sicherungsring. Der Fehler ist mir erst als ich das Foto machte aufgefallen. Den einen Belag habe ich neu genietet mit neuen Belägen. Hatte vorher noch nie Beläge genietet. War wohl ein Anfängerfehler ..
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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon MichlMeik » 03.10.2018, 09:47

Also ich hatte das gleiche Problem mit dem Nieten der Bremsbeläge,nach zu kurzer Zeit Belage von Nieten weg, deshalb habe ich sie kleben lassen.
Wo Bremsbeläge aufkleben lassen?
viewtopic.php?f=51&t=19781&p=167638#p167638
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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon Güldner45 » 05.10.2018, 15:13

Hallo,

Vielen Dank für deinen Beitrag, so wie sie jetzt verbaut sind sollte es aber passen. Über vorzeitigen Verschleiß werde ich dann ggf. Berichten.

Um fortzufahren:

Motor wurde diese Woche gereinigt und die Gewinde für die Kopfschrauben gesäubert.
Des Weiteren wurden alle Öl-Kanäle mit Bremsenreiniger und Druckluft gereinigt.
Zudem wurde der Öl-Kühler noch gereinigt.

Nun zum Problem Zylinderkopf.
Da ich noch den zweiten Motor habe hatte ich noch 4 Köpfe in der Hinterhand.
Bei diesen Köpfen waren die Ventilsitze weg und die Ventilführungen ausgeschlagen. Die Ventile machten zudem den Eindruck, als hätten sie "durchgeblasen". Zum Glück waren hiervon 3 Köpfe nicht gerissen.
Es wurden daher neue Ventilführungen verbaut und neue Ventilsitze gefräst. Die Ventile des Traktormotors waren zum Glück noch gut erhalten, so dass diese nur umgesetzt/ eingeschliffen wurden. Die Köpfe sind also bis auf neue Kupferringe wieder einsatzbereit.
Die Pleuel sind mit neuen Pleuelbuchsen versehen, die E-Düsen Ultraschall gereinigt und neu eingestellt worden.
Das Spritzbild war schon echt schlecht. Nach dem Einstellen geht's aber wieder.

Die Nockenwelle wurde ebenfalls gegen die des 4L79 F Motors getauscht, da die Originale an einem Nocken etwas eingelaufen war.
Habt Ihr eine Idee woher das kommt?
Mich würde auch mal interessieren, ob es Unterschiede in den Nockenwellen zwischen der 45 PS-Version und der 55 PS-Version des 4L79 (F) gab?
Das einzige was ich weiß, ist das der FB beim 4L79 F um 2 Grad früher ist als bei meiner gedrosselten Version.

Die Kupplung kommt nächste Woche wieder, sodass an diesem Samstag der Motor wieder rel. komplettiert wird und hoffentlich in 1-2 Wochen wieder läuft.

Bilder folgen zu diesem Beitrag noch.

Gruß!
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Re: Restauration Güldner G45S

Beitragvon GTfan » 05.10.2018, 16:37

Moin moin,

der Grund für den früheren Förderbeginn sollte hier zu finden sein:

Güldner45 hat geschrieben: Da der gedrosselte Motor in meinem Traktor nur ca. 2300 und der Industriemotor ca. 2500 u/min dreht

Wobei sich die 2° durch ein Verdrehen der Einspritzpumpe auch schnell wieder ausgleichen lassen sollten. Da du den Motor ja neu machst, wirst du beim Startverhalten keinen Unterschied merken, das Laufverhalten wird sich auch nur geringfügig ändern.

MfG
Fabian

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